Smart Home: Die Suche nach einem System (Teil 2)


Benutzerebene 7



Im ersten Teil haben wir uns angeschaut, was dieses smarte zu Hause eigentlich ist.

Nun schauen wir uns an, was wir bedenken sollten, wenn wir unser zu Hause intelligent machen wollen? Denn nur weil wir einen Amazon Echo im Regal stehen haben, heißt das nicht, dass die Bude uns nun von alleine die Fliesen wischt. Aktuell frisst die "Dose" mit integrierten Lautsprecher hauptsächlich Strom. Und nebenbei spielt das Ding auch noch etwas Musik.

Wir brauchen also mehr. Aber womit fangen wir an?

 

Was will ich und was brauche ich?

 

Wenn man sich entschieden hat sein zu Hause „intelligent“ zu machen, dann sollte man sich überlegen, was man eigentlich genau will.

 

Will ich es einfach haben oder bin ich bereit mich auch mit komplexeren Dingen zu beschäftigen? Will ich einfach nur die Temperatur steuern oder will ich, dass sich diese selbst steuert?

Will ich das Licht nur ein- und ausschalten oder will ich, dass sich das Licht meiner Stimmung, dem TV-Programm oder dem Wetter anpasst?

 

Ich zum Beispiel bin jemand, der es so komplex wie möglich haben will. Ich weiß aber auch, dass ich dann jedes Mal, nachdem ich diverse Tutorials gesehen habe, am liebsten alles wieder abbauen möchte.

 

Grundsätzlich sollten wir klein anfangen. Es braucht nicht sofort den Kühlschrank, den ich mit meinem Kalender und dem REWE-Lieferdienst verknüpfe. Denn am Ende kann ich innerhalb eines Tages ein Smart Home eingerichtet haben.

 

https://Dazu kaufe ich mir irgendwelche Lampen, die ich per App steuern kann, kaufe mir Stellantriebe für die Heizung, welche ebenfalls per App angesteuert werden, dann vielleicht noch eine Fernbedienung, die auch über eine App verfügt, pflastere mich mit Steckdosen zu und ehe ich mich versehe, habe ich ca. 20 Apps auf meinem Handy, mit denen ich meine Bude in das Chaos stürzen kann. Aber hey … schon mal cool. Nicht sehr smart, aber irre cool, wenn du das Wohnzimmer aufheizt, obwohl es eigentlich das Badezimmer sein soll, denn 

im Wohnzimmer hast du das Fenster auf. Im Winter. 

Was sagt uns das alles? Genau, wir brauchen eine Zentrale, was auf Grundlage unserer Entscheidungen und unserer Einstellungen, Aktionen durchführt.

 

Ein richtig selbstlernendes System ist mir bisher nicht bekannt. Es gibt zwar Hersteller, die damit werben, dass es sich an unser Leben anpasst und aus unseren Gewohnheiten lernt, doch wird die Lernkurve hier nicht exponentiell ansteigen, nur weil wir jeden Tag um die gleiche Uhrzeit die Zeitung auf dem Klo lesen. Aber vielleicht sind wir irgendwann soweit, dass sich dann jeden Tag um 12:30 Uhr das Licht im Badezimmer erhellt, sich die Klobrille öffnet und Europe den Song „Final Countdown“ durch die Boxen bläst.

 

(Erinnerung an mich: Final Countdown auf der Toilette abspielen)

 

Wir brauchen am Ende des Tages also ein System, was uns die Arbeit abnimmt. Dass geht aber erst, nachdem wir Arbeit in das System investiert haben. Und wir brauchen ein zukunftssicheres System. Es nützt uns nichts, wenn wir eine Basis zu Hause stehen haben, die in drei Monaten nur noch als Briefbeschwerer dient, weil der Anbieter keinen Bock mehr auf sein Produkt hat und den Support bzw. die Weiterentwicklung stoppt.

 

Wahrscheinlich beinhaltet die Suche nach dem passenden System die schwierigste Entscheidung. Nehme ich ein fertiges System, was mich aber eventuell in meinen Aktionen oder in der Auswahl der zu steuernden Geräte limitiert oder nehme ich ein Projekt, welches kostenlos ist und von einer großen Community immer weiter verbessert wird, was aber mehr von mir abverlangt, wenn es um die Einrichtung geht, dafür die Möglichkeiten und die Anzahl der unterstützten Geräte aber enorm ist?

 

Ich habe mich damals für das Projekt FHEM entschieden. Und ich kann euch sagen, dass ich keinen Durchblick hatte.

 

Es gibt aber noch andere Möglichkeiten. Wenn man sich für eine kostenlose Variante entscheidet, sollte man darauf achten, dass es eine starke Community besitzt. Denn nur die schafft es am Ende, dass das Projekt weiterlebt.

 

Mir sind hierbei hauptsächlich FHEM und OpenHAB bekannt. Letzteres habe ich jedoch bislang nicht genutzt. Wenn ihr noch weitere kennt, dann gerne in die Kommentare.

 

Wer aber keine Muße hat, erst ein System zu installieren und sich eventuell Hardware zu kaufen, die noch zusammengebaut werden muss, der sollte auf ein fertiges System setzen. Inzwischen ist die Auswahl auch gar nicht mehr so klein.

 

Hier mal eine kleine Übersicht:

Innogy



Devolo



  

Fibaro



Homematic



 

Loxone



 

Wie gut oder schlecht die aufgelisteten Systeme sind, kann ich nicht beruteilen. Alle werden ihre Stärken und Schwächen haben. Sobald ich eines davon getestet habe, werde ich gerne berichten. 

 

Bevor man sich aber anhand des Preises und der Optik entscheidet, bei eines dieser Systeme einzusteigen, sollte man sich die Preise der weiteren Geräte anschauen. Auch wenn die jeweilige Zentrale durch eine geniale Optik zu überzeugen weiß und das Handling vermeintlich einfach zu sein scheint, kann es ordentlich ins Geld gehen, wenn man sein Heim weiter ausstatten möchte.

 

Ich finde zum Beispiel die Geräte von Netatmo optisch sehr interessant. Schaue ich mir dann jedoch den Preisunterschied an, der bei einigen Vergleichen durchaus mal 30 Euro beträgt, es aber keinen funktionellen Unterschied gibt, dann verzichte ich auf diese Produktpalette.

 

Mir ist schon klar, dass man keinen zurechtgeschnitzten Backstein mit einem kleinen Taschenrechnerdisplay an seine Wand nageln will, was dann total schrottig aussieht, nur weil die Funktion smart und günstig ist.

 

Jedoch sollte man beachten, dass es häufig nicht damit getan ist, sich nur ein Gerät zu kaufen. Schnell lernt man die Vorzüge kennen. Dann will man weiter aufrüsten. Und das kann schnell ins Geld gehen.

 

Was brauchen wir also noch? Das schauen wir uns beim nächsten Mal an.

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8 Antworten

Sehr schöner Überblick! ☺

Bei der "Suche nach einem System" passiert nach meiner Erfahrung folgendes:

  • Situation 1: man möchte zukünftig Smart Home installieren und sich für ein System entscheiden.  Man hat Zeit, Geld und ist technikverliebt. Plant man also auf der "grünen Wiese" ohne Anwendungszwang, dann landet man zwangsläufig bei Homematic und anderen Zentralen bzw. Systemen. Dann muss man leider alle seine Anforderungen an die Zentrale und deren Möglichkeit anpassen. Nur ein paar Lampen nach Zeitplan zu steuern kann eigentlich jedes System, ist aber noch längst nicht das was man insgesamt später vom Smart Home erwartet.
  • Situation 2: man hat einen konkreten Fall und Druck in der Umsetzung. Beispiele Rolladensteuerung, Türsprechanlage, Heizungssteuerung. Hier passiert etwas seltsames. Hat man ein konkretes Anforderungsprofil und geht man vom konkreten Anwendungsfall aus, dann stellt man schnell fest, das die Systeme aus Situation1 oft  untauglich sind. Geht man anwendungsgetrieben vor, landet man leider noch bei Systemen, die weniger offen sind und nur Stärken in einem bestimmten Bereich haben. Mir ist es bereits mehrfach passiert, das man Anforderungen von der Anwendungsseite nur mit dedizierten System umsetzen konnte. Wer wirft denn seine 10.000€ teure Heizungsanlage raus, nur weil es dafür keine passende App gibt? Oder wer wechselt seine teuren Rohrmotoren um die Rolladensteuerung seinem Smart Home anzupassen? Nein - eigentlich sollte es umgekehrt sein. Aber leider ist der Markt bzw. das Angebot noch nicht so weit.

Daher mein Rat: genau prüfen warum man sich mit Smart Home befasst! Ist es nur "Spieltrieb", dann kann man dem beliebig nachgehen. Hat man jetzt oder in absehbarer Zukunft konkrete Anforderungen aus der Gebäudesteuerung, dann sollte man pragmatisch auf den Nutzen bezogen planen und sich weniger durch Showeffekte leiten lassen.

Benutzerebene 7
Hi @Klaus_VoIP,

da gebe ich dir recht.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man irgendwann an den Punkt kommt, dass man mehr will, als das, was man zum Beispiel in der Werbung gesehen hat.

Wenn ich ein paar Lampen steuern will, brauche ich keine Zentrale, die mich am Ende mehrere hundert Euro kostet. 

Darum muss man sich wirklich darüber klar sein, was man will. Wenn irgendwann die Idee für was Neues kommt, kann es bereits zu spät sein, weil man in dem aktuellen System "gefangen" ist. Dann bleibt nur noch die Überlegung, das Ganze so zu lassen wie es ist oder ein neues System zu etablieren.

Entscheide ich mich für die erste Variante, habe ich das Gefühl in einer Baustelle zu wohnen. Kommt die zweite Variante in Frage, gehe ich die Gefahr ein, dass ich mich nach einiger Zeit der gleichen Problematik gegenüber sehe und erneut von vorne anfange.

Klaus_VoIP schrieb:

Mir ist es bereits mehrfach passiert, das man Anforderungen von der Anwendungsseite nur mit dedizierten System umsetzen konnte. 



Wie sieht es denn aktuell bei dir aus? Wie und womit hast du die Umsetzung durchgeführt? 

Das Thema Smart Home hatten wir bereits versucht im DSL-Bereich zu etablieren:

https://hilfe.o2online.de/thread/174233-smart-home-welches-system-welche-zentrale 

In der 3. Antwort sind dann meine bisherigen Versuche aufgeführt Smart Home umzusetzen.

Natürlich läuft hier auch eine Homematic zu Studienzwecken. Die soll noch mit Alexa gekoppelt werden für triviale Dinge wie Beleuchtung. Bei den wichtigen Dingen sind es aber noch Siedle Doorline und DuoFern von Rademacher für die Rolläden (Rademacher-Rohrmotoren waren vorhanden), wobei ich derzeit auf die Rademacher-Zentrale verzichte. Aber auch die hat Potential noch andere Aufgaben zu übernehmen(mit Z-Wave-Stick).

Meine Vision wäre aber in der Tat eine Universal-Zentrale, mit der man eine zentrale Steuerung hat.  Aus Sicherheitsgründen sind dann aber 2 Netzwerke vorgesehen:

Netzwerk1: nur zur Überwachung mit CAM und Sensoren für Wasser etc.  mit Zugriff über Internet

Netzwerk2: Steuerung von Rolläden u.a. Einrichtungen ohne Internetzugriff

Benutzerebene 7
Ok, ich erkenne die Komplexität deiner Anforderung.

FHEM wäre für dich keine Überlegung, wenn es um eine Universale-Zentrale geht? Die Produkte von Rademacher lassen sich integrieren. 

Guter Hinweis. Hatte ich seit dem Einfrieren mit dem alten Fritz!OS (damals 7270) nicht mehr verfolgt. Ansonsten käme FHEM auf Windows am ehesten in Frage. Dabei traue ich aber dem Windows-System insgesamt nicht, da der Patchday u.a. Einflüsse hier zu einem unerwünschten Eingriff führen könnten. Windows ist nun mal kein Realtime-System.

Dabei läuft bei mir die Duofern-Welt derzeit sehr gut und eine Zentrale daher nur nice-to-have.

So entstehen kleine Inseln mit Alexa und Schaltern, dem Duofern und anderen dedizierten Smart-Home-Lösungen.

Wird spannend ob man den Gerätezoo irgwendwann unter eine bezahlbare Zentrale bekommt. Das ist aber auch eine Preisfrage, denn nur der DuoFern-Stick kostet mehr als eine Homematic. ☹

Benutzerebene 7
Das hoffe ich auch inständig. Denn angenommen, ich würde mich jetzt von FHEM verabschieden, stände ich vor dem Problem, dass ich das meiste von meinen Geräten in den Keller bringen könnte. Und ich habe darüber schon oft nachgedacht, auf ein anderes System zu wechseln. Doch aktuell scheue ich auch den Aufwand, der so etwas mit sich bringt. Zudem kann mir kein bezahlbares System aktuell diese Vielfalt bieten.

Grundsätzlich eine Anmerkung zu einem "System":

Manche Systeme scheinen nur sinnvoll über eine Zentrale steuerbar zu sein.

Es gibt aber auch die Möglichkeit Systeme dezentral aufzubauen und eine Zentrale, die auch single-point-of-failure sein könnte, zu vermeiden. Fängt man mit Komponenten an, die eine direkte Beziehung Sensor/Fernbedienung zu Aktor zulassen, dann schließt das nicht eine spätere Zentralenanbindung aus und wenn die Zentrale als Komfortversion mal ausfällt, funktionieren die Schalteinheiten immer noch.

Betriebssicherheit sollte bei Smart Home immer bedacht werden!

Teil drei findet ihr hier: https://hilfe.o2online.de/community/lesenswert/blog/2018/02/12/smart-home-wir-brauchen-teil-3 

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