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Instax mini Evo Cinema: Super Idee trifft miese Umsetzung

  • June 22, 2026
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saykopath
Mentor:in
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Die letzten Wochen durfte ich die Instax mini Evo Cinema testen. Als jemand, der hobbymäßig viel mit Fotos und Videos macht, eigentlich das perfekte Gerät. Die analoge Instax (von der ich auch seit vielen Jahre eine im Haushalt habe) im Stile einer Super8-Kamera, aufgebohrt mit digitalen Funktionen inklusive Video. Die ein oder andere Meinung zu dem Gerät habe ich seit dem Release im Januar schon gelesen und das Fazit dort war durchweg durchwachsen bis schlecht. Meine Erwartungen an die Kamera waren also schon entsprechend niedrig. Aber heilige Makrele: Schlimmer geht dann doch immer.

 

Unboxing und erster Eindruck

Aber der Reihe nach: Die Kamera kommt mit einem USB-A auf USB-C Kabel, einer Handschlaufe, einem Sucher-Aufsatz und einem Griffaufsatz für eine bessere Ergonomie am unteren Teil. Letzterer ist meiner Meinung nach zwingend notwendig, da die Kamera ohne Aufsatz sehr unbequem zu halten ist.

Aus der Verpackung geholt kommt direkt die erste Enttäuschung: Die Kamera fühlt sich sehr billig an. Das Gerät ist komplett aus Plastik und fühlt sich auch so an. Man hat generell das Gefühl ein Spielzeug in der Hand zu halten und nicht eine Kamera. Geschweige denn eine Kamera mit einem UVP von ganzen 379€ (!).

An der linken Seite befindet sich der Einschaltknopf, ein Modus-Schalter zur Auswahl des Foto- oder Videomodus, ein Schalter um den Rahmen der Fotos zu verändern, ein Hebel zum Start des Drucks und Richtung Rückseite ein Zoomhebel und ein großes Rad zum Einstellen der zehn Eras-Effekte. Auf der Rückseite gibt es ein 1,54 Zoll großes LCD-Display mit einer Auflösung von gerade mal 170.000 Pixeln, eine Zurück-, Menü- und Wiedergabe-Taste, sowie eine Auswahltaste.

Schaut man durch den mitgelieferten Sucher, kann man die Pixel des Displays buchstäblich zählen

Auf der Vorderseite befindet sich um das Objektiv ein Ring, mit dem man die Intensität des Filters anpassen kann. Darunter der Auslöser. Ganz unten der USB-C Anschluss, sowie der microSD-Slot. Hierdurch lässt sich der mickrige interne Speicher aufrüsten. Auf der rechten Seite der Kamera werden die Filmkassetten eingelegt.

 

Los geht’s

Nun denn, Film einlegen, Kamera einschalten und los! Und hier gibt es prompt die nächste Enttäuschung: Je nach ausgewähltem Filter benötigt die Kamera zwischen 5 und 12 Sekunden, bis sie einsatzbereit ist. Wie kann bitte in der heutigen Zeit ein modernes Gadget so lange benötigen um hochzufahren? Ein absolutes Unding. Naja.

Kamera also auf das gewünschte Motiv gehalten, Auslöser für den Fokus halb gedrü- KLICK. Versehentlich ein Foto geschossen. Zum Glück druckt die Mini Evo Cinema im Gegensatz zu manch anderem Modell nicht sofort. Der Druck wird aktiv vom Nutzer aus dem Album heraus gestartet. Der Auslöser ist wahnsinnig unergonomisch und wird ANDAUERND versehentlich betätigt. Und hier geht’s direkt mit dem Frust weiter: Ganze 4 Sekunden braucht die Kamera, um ein Foto zu speichern. Spontane Schnappschüsse in schnellen Situationen: Unmöglich. Ebenso braucht sie 4 Sekunden, wenn man sich ein geschossenes Foto angeschaut hat und wieder weitermachen möchte. Selten habe ich ein Testprodukt nach dem Ersteindruck so schnell wieder weggelegt.

Und dabei ist das Grundkonzept doch so einfach und genial: Schieße Fotos oder drehe Videos mit einer kompakten Kamera in vorgefertigen Stilen, basierend auf unterschiedlichen Jahrzehnten. Drucke die Fotos direkt aus, oder übertrage sie ans Smartphone. Schneide die Videos zu einem Filmchen zusammen, drucke ein Einzelbild des Films mit einem kleinen QR-Code aus und jeder der den QR-Code scannt, kann sich das zugehörige Video anschauen. Auf dem Papier ein absoluter Renner auf jeder Party!

 

Die App

Vielleicht legt sich der Frust ja, wenn man sich mal mit der App beschäftigt: Die erstmalige Bluetooth-Verbindung mit der App funktioniert einwandfrei. Bluetooth-Pairing an der Kamera und dann in der App starten und die Verbindung steht. Mit der App kann man generell

  • Daten von der Kamera an die App übertragen
  • Videos bearbeiten, die mit der Kamera aufgenommen wurden
  • Bilder mit Hilfe von Druckvorlagen gestalten
  • Fotos aus der Smartphone-Mediathek ausdrucken
  • Gedruckte Bilder lassen sich zusätzlich quasi als „virtuelle Sofortbilder“, also mit dem bekannten weißen Rahmen, speichern. So kann man ein Foto mit der Kamera schießen, es ausdrucken und anschließend wieder auf dem Smartphone speichern indem es aussieht wie ein hochauflösender Scan eines Sofortbilds…um es dann im Anschluss zu teilen….Wait, what?
  • Zu guter Letzt, lässt sich die Kamera auch aus der App heraus fernsteuern, um Videos und Fotos aufzunehmen
Die Fernsteuerung über die wirklich schicke App

Zur Übertragung kann sich die App auch per WiFi direkt mit der Kamera verbinden, um eine schnellere Datenübertragung zu ermöglichen. Hierbei wird sich nicht mit meinem lokalen WLAN verbunden, sondern direkt das WLAN der Kamera. Diese Verbindung ist leider nicht sehr zuverlässig und schlägt immer wieder fehl.

Dazu kommt noch eine sehr alberne Einschränkung: Bilder und Videos, die mit der Kamera gemacht wurden und auf dem internen Speicher liegen, lassen sich nicht in die lokale Fotomediathek übertragen. Starte ich allerdings aus der App heraus den Druck an der Kamera, kann ich im Anschluss das gedruckte Foto zumindest im Stil eines Sofortbilds auch lokal speichern.

 

Fotodruck

Die gedruckten Fotos sind Instax-typisch durchaus hochwertig für ihre Größe. Bilder werden mit einer Auflösung von 318dpi gedruckt, wenn auch etwas kontrastarm. Das, was die Kamera ausmacht, nämlich die unterschiedlichen Ära-Filter, sind aber ein schlechter Witz. Gefühlt haben alle Filter nur eine Funktion: Die Fotos unschärfer und detailärmer zu machen. Et voilà - fertig ist die Vintage-Optik. Im Vergleich zu den Sofortbildkameras, wo die Bilder auch sofort gedruckt werden, ist doch bei dieser digitalen Variante eigentlich der Vorteil, dass man die Bilder im Nachgang noch anpassen kann. Hier verstehe ich nicht, wieso man den Ära-Filter nicht auch nachträglich ändern kann. Und: Bei Sofortbildkameras denkt man sich immer wieder, wie schön es wäre dasselbe Foto auch digital in guter Qualität zu haben. Jetzt habe ich bei dieser Kamera die Möglichkeit, aber was bringt mir das, wenn die digitalen Aufnahmen so schlecht aufgelöst sind. Ich hätte mir gewünscht, dass man Fotos schießen und im Nachgang jederzeit den Filter ändern kann.

Wichtig zu erwähnen ist noch die Tatsache, wie unglaublich teuer jedes Foto ist. Wenn man Glück hat, bekommt man ein 60er Pack Instax-Film für um die 50€. Damit kostet im günstigsten Fall jedes Foto ca. 1€. Leider macht jeder Druck aber auch unglaublich Spaß. Startet man nämlich den Druckvorgang an der Kamera, fährt das digitale Foto langsam das Display nach oben, bis es aus dem Druckschlitz kommt.

Damit es hier mal weniger salzig und viel süßer wird, gibt’s jetzt ein Welpenfoto aus jeder Ära (ich habe die Bilder mit dem Handy eingescannt, um vielleicht etwas besser die tatsächliche “Qualität” rüberzubringen):

 

Wirklich brauchbar finde ich nur die Bilder aus dem 2020er Jahrzehnt.

Videos

Videos aufzunehmen, heitern einen leider auch nicht auf. Videos mit Filter werden mit einer Auflösung von 600x800 Pixeln und 24fps aufgenommen. Die Epoche 2020 arbeitet hier als einzige im „high quality mode“ mit einer Auflösung von 1080x1440 Pixeln. Das ist nichtmal FullHD-Auflösung. Darüber hinaus kann ein Clip maximal 15 Sekunden lang sein.

Netter Gag: Im Videomodus gibt die Kamera Ära-typische Töne von sich. Im Jahr 2000 bspw. das typische piepen der damaligen Digitalkameras oder in den älteren Epochen das rattern des Films.

Richtig toll ist die Möglichkeit, Videos „auszudrucken“. Das funktioniert so, dass man ein Standbild des Videos auswählt und dieses dann mit einem QR-Code versehen wird. Das lässt sich auch direkt an der Kamera durchführen. Bedeutet: Man kann entweder standardmäßig das erste Bild des Videos ausdrucken, oder sich umständlich an der Kamera Bild-für-Bild durch die 15 Sekunden klicken, bis man ein gewünschtes Standbild zum Drucken gefunden hat. Das geht natürlich deutlich komfortabler in der App. Hier muss man zunächst das Video aufs Smartphone übertragen und kann dann das Video noch bearbeiten. Im Anschluss wählt man noch aus, in welcher Ecke der zugehörige QR-Code platziert werden soll. Macht man das doch direkt von der Kamera aus, muss das Video nach dem Druck über die App noch in die Cloud hochgeladen werden, damit es beim scannen des QR-Codes angeschaut werden kann. In der App werden in dem Fall die betroffenen Videos auch prominent markiert und der Upload ist auch innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen. In der Regel macht man den ganzen Workflow sicherlich nur in der App.

Laut Instax werden die Videos „sicher“ in der Cloud gespeichert und sie sind genau zwei Jahre lang abrufbereit. Man hat die Möglichkeit die Videos mit und ohne Ton hochzuladen. Hier mal zwei Beispiele (das erste ein eingescanntes Video in der niedrigen Qualität und das zweite Foto vermeintlich hochauflösend aus der 2020-Ära. Dieses Bild ist auch nicht eingescannt, sondern über die App exportiert worden):

 

 

Fazit

Es ist so wahnsinnig schade, dass die Instax Mini Evo Cinema so ein frustrierendes Stück Technik ist. Wie cool ist bitte das Konzept, ein Video zu drehen und sofort allen Beteiligten eine Erinnerung davon mitzugeben?! QR-Code scannen und den Moment immer wieder genießen (bzw. für zwei Jahre, sofern man das Video nach dem Scannen des Codes nicht gespeichert hat). Stattdessen bekommt man ein überteuertes Gerät mit billiger Haptik und lächerlicher Performance. Absolut enttäuschend.