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Telefonie: Wie funktioniert sie und was tun bei einer Störung?

  • 1 Oktober 2019
  • 2 Antworten
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Telefonie: Wie funktioniert sie und was tun bei einer Störung?
Benutzerebene 7

Sicherlich hat jeder von uns schon mindestens einen Anruf getätigt. Aber so selbstverständlich, dass am anderen Ende jemand abhebt, ist es gar nicht, wenn man erstmal weiß, was für eine komplizierte Technik dahinter steckt und was alles gegeben sein muss, damit ein Telefonat reibungslos funktioniert. Darum möchte ich diesen Beitrag der Telefonie widmen, einen Einblick in die Telefonie geben und erklären, was man im Falle einer Störung tun kann.


Als Erstes gucken wir uns die Funktionsweise an und welche Schritte technisch abgearbeitet werden müssen, damit ein Rufaufbau stattfinden kann.
Hinweis: Zur Vereinfachung werden einige interne Systemprozesse nur allgemein erklärt.

  • Zu Beginn ist es notwendig, dass auf dem Router die Telefoniedaten ordnungsgemäß registriert sind. Dies passiert im Regelfall bei allen Routern, die o2 vertreibt, nach der Ersteinwahl automatisch. Ansonsten ist es erforderlich, bei der Fremdhardware die SIP-Daten manuell einzutragen.

Schritt 1:
Ich tippe die Rufnummer in mein Telefon und bestätige diese mit der „Wahltaste“.

Schritt 2:
Das Anrufsignal erreicht den Telefonieserver von o2. Hier werden alle Daten abgeglichen (z.B. ob Rufnummernsperren oder Rufnummernunterdrückungen hinterlegt sind) und anschließend nach erfolgreicher Prüfung an das öffentliche Netz weitergeleitet.

Schritt 3:
Im öffentlichen Netz trifft die Nummer auf einen weiteren Server, wo jegliche Daten von allen Rufnummern (anbieterunabhängig) verzeichnet sind. Die Aufgabe des Servers ist die genaue Zuordnung zum richtigen Anschluss, das heißt: hier werden wichtige Informationen hinterlegt wie Routing, Portierung, Weiterversorgungen etc.

Schritt 4:
Angenommen ich rufe auf ein Vodafone-Netz an: mein Anschluss weiß nun, dass Vodafone beispielsweise die Routing-ID 14 hat, also leitet mich der Server aus Schritt 3 an die Schnittstelle zu diesem Provider um. Jeder Telekommunikationsanbieter hat mindestens eine eigene ID, damit die Anrufe korrekt zugeordnet werden können. Sollte ein Anschluss mal aus beispielsweise Fremdnetzen nicht erreichbar sein, haben wir eine Routingstörung, welche hier ihren Ursprung findet.

Schritt 5:
Jeder Provider hat eine Schnittstelle, wo Anrufe zum öffentlichen Server ein- und ausgehen. Der Anruf wird also an Vodafone weitergeleitet und wird wie im Schritt 2 geprüft, ob dies rechtmäßig ist (denn hier kann beispielsweise der B-Teilnehmer angegeben haben, dass eine Rufumleitung nach bestimmten Vorgaben eingerichtet werden soll).

Schritt 6:
Ist bisher jeder Schritt positiv verlaufen, so wird nun Vodafone meinen Anruf an den Anschluss des B-Teilnehmers weiterleiten und es klingelt am Anschluss.
Darum ist aufgrund der vielen Server und Weiterleitungen nicht immer sofort bestimmbar, wo genau der Fehler auftritt, wenn ein Anrufversuch nicht zu Stande kommt.

Was genau kann o2 prüfen um festzustellen, wo ein möglicher Fehler liegen könnte
Genau genommen kann ein DSL-Techniker von o2 jeden Systemprozess abfragen und nachprüfen.

  • Registration der Telefoniedaten auf dem Router
  • Empfang des Anrufversuches auf dem Router (betrifft nur die HomeBox 2)
  • Verbindung zwischen Router und Telefonieserver (Schritt 2)
  • Korrekte Portierung zu o2 nach beispielsweise einem Anbieterwechsel
  • Bestand der Weiterversorgung
  • Routing: Anrufversuch aus verschiedenen Netzen (meist Telekom und Vodafone als Fremdanbieter)

Rot = interne Prozesse bei o2, die meist nach wenigen Stunden behoben sind
Blau = hier werden systeminterne und –externe Datenbestände geprüft und bearbeitet, darum kann die Störung auch meist erst nach einigen Tagen behoben werden

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ein Anruf ausgehend und eingehend funktioniert?
Ausgehend:

  • Vollständige Einrichtung aller kaufmännischen und technischen Systemdaten
  • Korrekte Registration der Telefoniedaten auf Router (SIP-Daten)
  • Die gewählte Nummer darf nicht gesperrt sein (0900-Nummer, Mobilfunk, Ausland etc.)

Eingehend:

  • Korrekte Portierung aller Rufnummern
  • Korrekte Registration der Telefoniedaten auf Router (SIP-Daten)
  • Die anrufende Nummer darf nicht gesperrt sein (Blacklist, Whitelist, deaktivierte CLIP etc.)


Was gibt es für Anschlussarten und wie unterscheiden sie sich?
Bevor DSL realisiert wurde, existierte die „echte“ analoge- und ISDN-Telefonie. Heutzutage mit VoIP sind diese Unterscheidungen weggefallen, werden jedoch verständnishalber weiterhin so genannt. Ein weiterer Vorteil ist der Wegfall externer Hardware.
Die ältere Anschlussart, Annex B, hat jegliche Signale gebündelt übertragen. Das heißt, Telefonie und Internet laufen auf einer gemeinsamen Frequenz was dafür sorgt, dass im Falle eines Anrufs die Internetperformance schwächer wird. Um die beiden Signale ihren Geräten zuzuordnen, musste am Anschluss ein Splitter verbaut werden.
Ein normales Telefonat via Festnetz verbraucht ca. 200-300kbit/s. Um tatsächlich störungsfrei ins Internet gehen und telefonieren zu können, sind jedoch bis zu 2000 kbit/s erforderlich. Für ISDN sogar bis zu 3000kbit/s.
Die neue Anschlussart, welche für ADSL und VDSL genutzt wird, ist Annex J. Hier werden Telefon und Internet gleichzeitig übertragen, was zusätzliche Hardware überflüssig macht, denn diese wird bereits vom Router mitgeliefert. Der größte Vorteil ist, dass ein Anruf keine Auswirkungen auf das Internet und dessen Performance hat.

Welche Verbindungsarten sind an einem Router möglich und wann ist was sinnvoll?
Grundlegend gibt es drei Möglichkeiten, das Telefon mit dem Router zu verbinden: analog, ISDN und DECT.
Die einfachste und schnellste Methode, ein Telefon zu verbinden, ist via analog. Hier wird der Pferdekopfstecker einfach in den Anschluss im Router angeschlossen und man kann sofort telefonieren. Eine softwareseitige Einrichtung am Modem oder Telefon ist im Regelfall nicht notwendig. Diese Verbindungsart ist wohl die gebräuchlichste.
Eine andere Möglichkeit wäre via ISDN. Dieser Anschluss wird meist für, wie der Name schon sagt, ISDN-Telefonie verwendet, um mehrere Rufnummern zu verwalten. Ebenso ist es hier auch möglich, eine Telefonanlage anzuschließen, um eine präzisere Konfiguration vorzunehmen, falls der Router nicht die gewünschten Funktionen bietet. Jedoch muss dieser Anschluss im Normalfall, sowohl im Router als auch am Telefon, konfiguriert werden.
Die Dritte und wahrscheinlich bequemste Verbindungsart ist DECT. Das ist eine Funkverbindung, ähnlich mit WLAN (die Telefone funken etwa im 1,8-1,9GHz-Netz), wo einzig das Mobilteil direkt mit dem Router kommuniziert und die Basisstation nur noch einzig zum Aufladen genutzt wird. Trotz dem Vorteil, dass die Basisstation nicht direkt am Router stehen muss, unterliegt das Telefon den gleichen Problematiken wie bei WLAN-Geräten.

Was tun, bei einer Telefoniestörung?
Die Telefonie ist eine recht komplexe Technik, daher ist eine Fehlereingrenzung nicht immer einfach. Wenn es sich um kleine Probleme handelt, kann man das meiste sogar selbst ohne Hotline oder Techniker beheben. Einige Lösungsansätze möchte ich beschreiben:

  • Rufnummer wird ausgehend nicht mitgesendet: überprüfe alle Einstellungen am Festnetz und Router, ob hier Einstellungen getroffen wurden. Verbinde alternativ das Festnetz, wenn dies via analog angeschlossen ist, an einen anderen analogen Anschluss. Wenn es weiterhin nicht funktioniert, dann teste die Verbindung via DECT. Lässt sich auch so das Problem nicht beheben, dann wurde wohl systemintern bei o2 die Einstellung getroffen. Hier kann dir nur ein o2-Mitarbeiter helfen, diese zu de-/aktivieren.
  • Rufnummer wird eingehend nicht angezeigt: sofern dies auf jeden Anruf zutrifft, liegt der Fehler entweder am Router oder Telefon. Um zu prüfen, ob das Telefonkabel oder der Anschluss defekt ist, kann einmal das Handteil via DECT mit dem Router verbunden werden. Tritt das Problem weiterhin auf, muss ein alternatives Telefon getestet werden. Ist hier ebenso der Fehler vorhanden, so ist der Router defekt.
  • Roboterstimme, Knistern, Rauschen etc.: es gibt zahlreiche Gründe für Störgeräusche, welche entweder vom Telefon, dem Router oder der Leitung verursacht werden. Auch hier empfiehlt es sich, um ein defektes Telefonkabel oder –anschluss auszuschließen, eine Verbindung via DECT herzustellen oder generell ein alternatives Festnetz testen, um Hardwarefehler auszuschließen. Tritt das Problem weiterhin auf, muss durch die DSL-Technik (Hotline) abgeklärt werden, ob leitungstechnisch ein Fehler auftritt. Grob kann man sagen: ist nur das Telefon von einer Störung betroffen, liegt es wahrscheinlich am Router oder dem Telefon. Sollte man jedoch auch langsameres Internet, DSL-Abbrüche o.ä. haben, so liegt hier wohl eine Leitungsstörung vor.
  • Bestimmte Nummern können den A- oder B-Teilnehmer nicht erreichen: hier muss erstmal geprüft werden, ob die CLIP bzw. CLIR deaktiviert wurde, denn dann könnten diese Anrufer vom anderen Anschluss geblockt werden.
  • „Nummer nicht vergeben.“, „Besetztzeichen“ etc. am EIGENEN Anschluss: dies kann wie im vorherigen Schritt auf eine Routingstörung hindeuten, jedoch auch andere Fehlerquellen haben. Es sollte erstmal geprüft werden, ob die Telefonie am Router aktiviert ist (auf einer HomeBox 2 leuchtet die Telefon-LED grün, bei einer FritzBox wird die Telefonnummer in der Übersicht als „registriert“ angezeigt). Falls dies nicht der Fall sein sollte, so empfiehlt sich ein Werksreset. Tritt anschließend immer noch der Fehler auf, dann kontaktiere die Hotline.
  • Das Telefon klingelt nicht: stecke einmal das Telefonkabel aus dem Router raus und anschließend wieder rein. Prüfe, ob du ein Freizeichen hören kannst. Falls ja, dann teste, ob nun das Telefon wieder klingelt. Wenn nicht, dann verbinde einmal das Telefon via DECT mit deinem Router. Funktioniert jetzt das Telefon? Wenn ja, ist entweder der Anschluss am Router, das Telefonkabel oder die Basisstation defekt. Wenn nicht, dann kann bei einer FritzBox geprüft werden, ob überhaupt der Anruf protokolliert wurde. Wenn ja, ist wohl das Telefon defekt. Wenn nein, dann handelt es sich um eine Störung und es muss die Hotline kontaktiert werden.
  • Telefonie dauerhaft nicht möglich: Möglicherweise sind die registrierten Daten fehlerhaft oder ein Firmware-Update sorgt für Telefonieprobleme. Hier ist es ratsam, einen Werksreset durchzuführen (Anleitung für Fritzbox), damit sich der Router alle aktuellen Daten von o2 neu herunterladen und installieren kann.

Welche Dienste und Dienstmerkmale sind vom Anbieter möglich?

  • CLIP: Als CLIP (Calling Line Identification Presentation) bezeichnet man die eingehende Rufnummernanzeige. Diese kann sowohl auf dem Display des Telefons ersichtlich sein, oder je nach Router auch auf der Benutzeroberfläche. Wird die CLIP nicht angezeigt, trotz dass der A-Teilnehmer die eigene Rufnummer mitsendet, dann liegt hier wohl, wie oben beschrieben, ein Hardwaredefekt am Router oder Telefon vor.
  • CLIR: Als CLIR (Calling Line Identification Restriction) bezeichnet man die abgehende Rufnummernunterdrückung. Die CLIR kann vom Anbieter entweder systemtechnisch, oder dem Kunden bei einigen Routern oder am Telefon, eingerichtet werden.

Beachte: wird der Notruf (112, 110, 124 124, 116 117) gewählt, muss o2 automatisch die Rufnummer mitsenden - egal ob aktiviert oder deaktiviert (§ 102 Abs. 1 TKG).

  • Anklopfen: Ist der Kunde bereits in einem Gespräch, so erhält dieser ein akustisches Signal, dass jemand Drittes anruft. Dieser kann entweder den Anruf ablehnen, annehmen, wo der aktive B-Teilnehmer gehalten wird oder eine Konferenz erstellen. Sollte Anklopfen deaktiviert sein, so erhält der C-Teilnehmer ein Besetztzeichen.
  • Rufweiterleitung: Rufweiterleitungen können für folgende Punkte eingestellt werden:

# permanente Rufweiterleitung
# wenn der Anschluss bereits besetzt ist und
# der Angerufene nicht abnimmt (hier kann auch bestimmt werden, wie oft das Freizeichen beim A-Teilnehmer ertönen soll).
Häufige Einsatzgebiete von Rufweiterleitungen sind unter anderem bei einer aktiven Störung oder für Selbstständige, sofern man selbst nicht am Anschluss ist.

Komfort-Funktion:
Ein besonderes Feature zum Schluss: eine HomeBox 2 6441 und 6641 merkt sich automatisch oft gewählte Nummern und ruft diese meist schon an, wenn bereits ein Teil dieser Nummer ins Telefon eingegeben wurde. Ein automatischer Anruf wird ebenso ausgelöst, wenn man die Rufnummer zu langsam eintippt. Jedoch kann es so auch passieren, dass eine falsch gespeicherte Nummer wiederholt angerufen wird, ohne dass es der A-Teilnehmer bemerkt und fälschlicherweise von einer Störung ausgeht. Hier hilft einzig ein Werksreset am Router, um diese Daten zu löschen. Anschließend sollte das Problem behoben sein.

Portierung und Weiterversorgung:
Eine Rufnummer kann beim Anbieterwechsel vom alten Anbieter zum neuen übertragen werden. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass der Neuanschluss im selben Vorwahlgebiet passiert, um Überschneidungen eines anderen Anschluss zu vermeiden. Das Recht, diese Portierung vorzunehmen, ist im Telekommunikationsgesetz (TKG) § 46 geregelt, diese Mitnahme der Festnetznummer muss zudem gesetzlich vom Provider ermöglicht werden. Technisch funktioniert dies so: der alte Anbieter gibt die Telefonnummer/n frei, welche dann vom neuen Anbieter übernommen und eingetragen wird/werden. Dieser Vorgang kann jedoch 2-3 Wochen Bearbeitungszeit in Anspruch nehmen, weshalb eine frühe Meldung an den neuen Anbieter von Vorteil ist. Vergisst man, dem neuen Anbieter entsprechend Bescheid zu gegeben, so kann noch 60 Tage nach Vertragsende des vorherigen Providers diese Portierung beantragt werden.

Sollte es bei der Portierung zu technischen Schwierigkeiten gekommen sein, so muss der alte Anbieter den Anschluss weiterlaufen lassen (selbst wenn das Vertragsende bereits überschritten ist, auch dies regelt das TKG § 46). Mögliche Gründe für eine notwendige Weiterversorgung wären unter anderem die falsche Übermittlung der Kundendaten, fehlerhafte Übermittlung der Rufnummer, eine zu frühe Portierung o.ä.. Sobald der neue Provider die Daten erfolgreich eingerichtet hat, endet die Weiterversorgung. Der Kunde muss sich nun offiziell mit seinen Daten beim neuen Anbieter einwählen.

 

Für weitere Hilfestellung findet ihr Kurzanleitungen und Benutzerhandbücher für die von o2 vertriebenen Router hier: Routeranleitungen

 

Photo by axel grollemund from Pexels


2 Antworten

Benutzerebene 5

Sehr informativer und ausführlicher Beitrag, finde es Klasse, dass du Fachbegriffe entweder vermieden oder gut verständlich erklärt hast. :thumbsup:

Benutzerebene 7
Abzeichen

Top! 👍

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