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Wo kein Funkmast steht: Telefónica Deutschland testet Mobilfunk aus dem All

  • June 24, 2026
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Wir von Telefónica Deutschland und der luxemburgische Satellitenbetreiber OQ Technology starten einen gemeinsamen Praxistest in Mecklenburg-Vorpommern. Ziel ist es, Smartphones künftig direkt über Satelliten mit dem Mobilfunknetz zu verbinden – und zwar ohne zusätzliche Hardware oder spezielle Satellitentelefone. Dabei kommt das bestehende Frequenzspektrum von Telefónica zum Einsatz.

Satelliten sollen den klassischen Mobilfunk ergänzen

Wir sehen die neue Technologie vor allem als Ergänzung zum bestehenden Mobilfunknetz. Gerade in Regionen, in denen der Ausbau neuer Funkmasten schwierig ist oder Genehmigungsverfahren lange dauern, könnten Satelliten künftig punktuell für zusätzliche Netzabdeckung sorgen. Das betrifft beispielsweise Naturschutzgebiete, Küstenregionen oder dünn besiedelte Gebiete.

Nicht-terrestrische Netze (NTN), also Mobilfunknetze über Satelliten, gewinnen dabei weltweit zunehmend an Bedeutung. Die entsprechenden Standards werden derzeit weiterentwickelt und dürften künftig auch beim Mobilfunkstandard 6G eine wichtige Rolle spielen.

Das gemeinsame Projekt soll zeigen, dass Satelliten klassische Mobilfunknetze sinnvoll ergänzen können – insbesondere dort, wo eine Versorgung am Boden nur schwer möglich ist.

Warum ausgerechnet Mecklenburg-Vorpommern?

Mit seinen zahlreichen Seen, Wäldern und Schutzgebieten bietet Mecklenburg-Vorpommern ideale Bedingungen für den Praxistest. In vielen dieser Regionen ist der Bau neuer Mobilfunkmasten nur eingeschränkt möglich. Genau hier soll die Satellitentechnologie zeigen, wie sich Versorgungslücken künftig schließen lassen.

Ein wichtiger Schritt für zukünftige Mobilfunknetze

Der Feldversuch von uns und OQ Technology soll zeigen, dass bestehende Smartphones ohne Hardwareänderungen direkt mit LEO-Satelliten kommunizieren können. Damit würde sich die Lösung deutlich von klassischen Satellitentelefonen unterscheiden.

Langfristig könnten Mobilfunknetze am Boden und Satellitennetze nahtlos zusammenarbeiten und sich gegenseitig ergänzen. Die Besonderheit dabei: Das Smartphone kommuniziert direkt mit dem Satelliten. Zusätzliche Empfangsgeräte oder spezielle Satellitentelefone werden nicht benötigt.

Wer ist OQ Technology?

OQ Technology wurde 2016 von Omar Qaise gegründet und hat seinen Sitz in Luxemburg. Das Unternehmen hat sich auf Mobilfunkdienste aus dem Weltraum spezialisiert und gilt als einer der Vorreiter im Bereich der sogenannten Non-Terrestrial Networks (NTN).

Nach eigenen Angaben ist OQ Technology der erste europäische Anbieter, der eine eigene LEO-Satellitenkonstellation für Direct-to-Device-Dienste betreibt. Dabei kommunizieren Satelliten direkt mit herkömmlichen Endgeräten, ohne dass zusätzliche Hardware erforderlich ist.

Die Technologie soll insbesondere dort helfen, wo der Ausbau klassischer Mobilfunknetze schwierig oder wirtschaftlich wenig sinnvoll ist.

Fokus auf 5G und das Internet der Dinge

Ursprünglich lag der Schwerpunkt von OQ Technology auf dem Internet der Dinge (IoT). Über das Satellitennetz lassen sich weltweit Sensoren, Messsysteme oder andere vernetzte Geräte anbinden – beispielsweise in der Landwirtschaft, in der Energieversorgung, in der Schifffahrt oder bei der Umweltüberwachung.

Selbst in abgelegenen Regionen können so Daten übertragen werden, ohne dass ein klassisches Mobilfunknetz vorhanden sein muss.

Ganz neu ist die Zusammenarbeit zwischen Telefónica Deutschland und OQ Technology nicht. Wir kooperieren bereits im Geschäftskundenbereich. Dort können Unternehmen ihre IoT-Anwendungen weltweit über das Satellitennetz von OQ Technology überwachen und steuern.

Die nun geplanten Smartphone-Tests bauen auf diesen Erfahrungen auf. Erste Live-Tests sollen im kommenden Jahr stattfinden.

Eine europäische Alternative

OQ Technology verfolgt einen europäischen Ansatz und setzt auf offene Mobilfunkstandards der 3GPP. Statt eigene Mobilfunkdienste für Endkunden anzubieten, arbeitet das Unternehmen eng mit Netzbetreibern zusammen.

Im Gegensatz zu einigen internationalen Anbietern liegt der Schwerpunkt auf der Nutzung lizenzierter Frequenzen und der Zusammenarbeit mit bestehenden Mobilfunknetzen. Die Kontrolle über die Frequenzbänder verbleibt dabei bei den jeweiligen Netzbetreibern.

Wie funktioniert die Technik?

Zum Einsatz kommen sogenannte LEO-Satelliten (Low Earth Orbit), die die Erde in rund 500 bis 600 Kilometern Höhe umkreisen. Im Vergleich zu klassischen geostationären Satelliten befinden sie sich deutlich näher an der Erde, wodurch Signale schneller übertragen werden können. Das sorgt für geringere Verzögerungen und eine angenehmere Nutzung beim Telefonieren und Surfen.

Welche Smartphones kommen infrage?

Spannend ist vor allem, dass die Technologie grundsätzlich mit herkömmlichen Smartphones funktionieren soll. Bereits heute wurden entsprechende Demonstrationen mit Geräten von Apple, Samsung und Google durchgeführt.

Zu den aussichtsreichsten Modellen zählen unter anderem das iPhone 14 und neuere Generationen, die Samsung-Galaxy-S23-, S24- und S25-Serie sowie aktuelle Fold- und Flip-Modelle. Auch Googles Pixel-Smartphones ab der Pixel-7-Serie gelten als gut vorbereitet.

Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass jedes Gerät bereits Satelliten-Mobilfunk nutzen kann. Neben geeigneter Hardware spielen auch die Unterstützung der 3GPP-NTN-Standards, die Software des Herstellers sowie die Infrastruktur des jeweiligen Mobilfunkanbieters eine entscheidende Rolle. Viele moderne Smartphones besitzen die technischen Voraussetzungen bereits, die entsprechenden Funktionen müssen jedoch erst durch Hersteller und Netzbetreiber freigeschaltet werden.

Was haltet ihr von Mobilfunk direkt über Satelliten? Kann die Technologie künftig Funklöcher schließen und den klassischen Netzausbau sinnvoll ergänzen? Teilt eure Einschätzung in den Kommentaren! 👇