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[Testbericht] iPhone 8 - Das Budget iPhone 2017

Blog-Eintrag wurde erstellt von MXP-Heiko Experte in 12.11.2017

Bevor wir uns ins Abenteuer stürzen, möchte ich euch direkt drei Mitteilungen geben, um den Artikel besser einzuordnen.

 

  1. Das Testobjekt war das iPhone 8, 64 GB, Space Grey. Ich kann also leider nichts zum größeren und besseren Modell, dem iPhone 8 plus sagen, so viel sollt ihr direkt wissen. Dazu mehr z.B. hier:  iPhone 8 Plus - Die Verbesserung liegt im Detail
  2. Es war eine Demo-Unit, daher ist der Lieferumfang eingeschränkt, ich kann somit nur vom Smartphone berichten, nicht von Kopfhörern oder Adaptern.
  3. Der wohl wichtigste Punkt: Ich bin ein eingefleischter Android User und besitze nicht ein einziges Stück Apple Hardware oder benutze keinen Service von Apple. Große Vergleiche zwischen iOS 11 und 10 dürft ihr also ebensowenig erwarten wie Lobeshymnen darauf wie toll iMessage zwischen meinem Mac und dem iPhone läuft oder wie leicht sich Dinge auf ein Apple TV streamen lassen. Mir sind eventuell in den drei Wochen Nutzung auch total bekannte Gesten nicht klar geworden, ich habe aber auch nicht eingesehen ewig lange bei Google zu suchen wie man das angebliche “just works” so hinbekommt.

 

Auf los gehts los

 

 

Design und Gehäuse

 

Wie eingangs erwähnt hatte ich die Farbe Space Grey im Test, welche mir generell von den verfügbaren Modellen auch am besten gefällt, denn nur hier bekommt ihr auch die schwarze Front, welche mir immer sympatischer ist als eine Helle. Komischerweise sind alle Apple Produkte die Space Grey sind in der Praxis nicht einheitlich gefärbt, also wenn ihr ein MacBook, iMac oder ein altes iPhone in dieser Farbe habt, sind diese definitiv nicht identisch.

 

Allgemein ist das Design sehr ähnlich zum Vorgängermodell und die größte Änderung ist, dass die Rückseite nun mal wieder aus Glas statt Metall gefertigt wurde. Dieses mal hat dies allerdings nicht nur kosmetische Gründe sondern ermöglicht neuerdings bei Apple auch kabelloses Laden. Dafür wird natürlich eine nicht im Lieferumfang enthaltene Ladestation benötigt, was für den Kunden zwar schade ist, aber im Allgemeinen bei allen Herstellern so üblich ist.

 

Ein Kleiner Rundgang um das Gerät im Schnelldurchlauf:

  • Unterseite: Lightning Anschluss (toller Anschluss, aber Apple only daher Daumen runter)
  • Rechte Seite: Power On/Off und nano SIM Fach
  • Linke Seite: Lautlos Schalter und Vol +- Tasten
  • Front: Home-Button mit Touch-ID als Touch-Fläche, kein echter Button
  • Rückseite: Kamerahügel in der Ecke. Tippen wenn das Gerät auf dem Tisch liegt ist also schlecht. Solltet ihr eine Hülle benutzen, nehmt also ruhig eine Dicke, dann ist dieses Manko gelöst.

 

Rundherum möchte ich dem Apple iPhone 8 schon das Prädikat Handschmeichler verleihen, denn es fasst sich einfach gut an, fühlt sich durchweg hochwertig an, hat richtig gute Knöpfe und Druckpunkte, da bekommt ihr was für eure 799€ in die Hand.

 

Hinzu kommt der Formfaktor, welcher für mich zwar ungewohnt klein ist, aber doch seine Vorteile hat. Das Gerät liegt super in der Hand und kann auch mit kleineren Händen sehr sicher bedient werden, zudem verschwindet es sehr angenehm in der Hosen- oder Hemdtasche. Aufgrund der dicken Ränder im bisherigen iPhone Design (pre iPhone X ;)) resultiert dies natürlich in einem winzigen Display (gemessen an dem was ich gewohnt bin). Für mich persönlich ist das ein Nachteil, aber ich weiß, dass es für sehr viele Kunden eines der Hauptargumente für dieses Gerät ist.

 

Performance und weitere Hardware Aspekte

 

Zur Leistungs braucht man nicht viele Worte zu verlieren und von synthetischen Benchmarks halte ich nichts, daher kurz und knapp, das iPhone 8 läuft immer flüssig und absolviert natürlich auch alle aktuellen Game ohne Probleme. Auch die neuen AR Anwendungen wie die coole IKEA App laufen super, an Rechenleistung fehlt es hier nicht. Die nackten Zahlen mit Android Geräten zu vergleichen ist nicht nötig, da bei Apple das Betriebssystem für die ausgewählte Hardware gut optimiert wird, kommt man so gesehen mit weniger Leistung trotzdem weiter.

 

Es seien des weiteren aber lobend vor allem die Lautsprecher erwähnt. Diese sind unauffällig im Design aber groß in der Leistung. Natürlich sind einem Smartphone Grenzen gesetzt und externe Lautsprecher werden weit mehr Leistung abliefern, aber für dieses handliche Gerät war das eine saubere Leistung in Bezug auf Lautstärke und Qualität. Und dies alles trotz IP67 Zertifizierung, welche bei dem ein oder anderen Modell eben gerade die Lautsprecher belastet hatte.

 

Vergeblich suchen muss man natürlich die Möglichkeit eine Speicherkarte einzulegen oder auch den Kopfhöreranschluss. Speicherkarten hab es bei iPhones noch nie und die 3,5mm Klinkenbuchse wurde bereits beim iPhone 7 entfernt und wird mit Sicherheit auch niemals zurückkehren. Da ich wie eingangs angesprochen keine Lightning Kopfhörer oder einen entsprechenden Adapter beiliegen hatte, kamen bei mir also direkt Bluetooth Kopfhörer zum Einsatz. Ein Modell von Sony, nicht von Apple Die BT Stabilität war ausgezeichnet und die Anzeige der Akku Leistung funktionierte auch zuverlässig, dieses Feature wird Android erst in der nächsten Version bekommen (Android Oreo 8.1). Die Kopplung beimer Android Wear Smartwatch mit dem iPhone war auch möglich, lief aber nicht ganz so stabil wie bei den Kopfhörern. Das Problem will ich aber nicht überbewerten, denn würde ich ein iPhone kaufen, dann würde wohl auch die Apple Watch folgen und keine Android Wear Watch.

 

Das Display beim iPhone 8 war einerseits völlig in Ordnung, ist aber auch keiner großen Worte wert. Man bekommt was man vom iPhone seit Jahren kennt. Ein ausreichend scharfes und ausreichend gut aussehendens LCD Display. Ausreichend soll hier übrigens absolut nicht als Schulnote 4 gemeint sein, sondern einfach als “gut aber nicht besonders spannend”. Ein Technologiewechsel hin zu OLED gibt es erstmals im iPhone X, warten wir ab womit Apple die nächsten Jahre dann auch die billigeren iPhones ausstatten will.

 

Akku und Ladetechnik

 

Der Akku an sich hielt beim iPhone nicht sonderlich lange, wenn ich mein Nutzungsszenario zu Grunde lege und es mit anderen Smartphones vergleiche die ich dieses Jahr in Benutzung hatte. Es war nicht so schlimm, dass ich unterwegs zwangsweise zwischenlanden musste, aber es war zuverlässig jeden Abend runter auf ungefähr 15% oder weniger. Ich wäre also definitiv nicht noch Abends ausgegangen ohne nachzuladen. Und da habe ich schon wesentlich langlebigere Kandidaten erlebt, wie z.B. das im Test für mich direkt darauf folgende Nokia 8 oder mein zuvor genutztes Sony Xperia XZ Premium. Es ist dabei zu unterstreichen, dass die Akkuleistung des iPhone wirklich nicht sonderlich gut ist, da iOS die Hintergrundaktivitäten stark einschränkt und es trotzdem so kurzatmig ist.

 

Erschwert wird die Situation dadurch, dass Apple als einziger Smartphone Hersteller in diesem Preissegment kein Quick-Charging anbietet … oder ähm… ach nein, man bietet es an aber verkauft die Ladegeräte und Kabel dafür extra. Ich sage es vorsichtig, selbst bei eingefleischten Apple Liebhabern mit denen ich gesproche habe, ist hier der Groschen gefallen, dass dieses Unternehmen seine Stellung ausnutzt und Ihre Kunden einfach abmelkt. Kann man es leider nicht anders sehen. Ich sehe schon kommen wie sie in Zukunft einzelne Features als In-App-Purchase anbieten, ähnlich wie bei Tesla.

 

Es gäbe übrigens auch kabelloses laden, allerdings könnt ihr hier wohl recht einfach auf günstiges Equipment von Drittanbietern zurückgreifen, somit sehe ich dabei die Lage deutlich entspannter.

 

Die Kamera

 

 

Wohl der Hauptgrund mit dem Menschen die Anschaffung eines iPhones rechtfertigen, eine verlässliche Kamera in jeder situation. Einfach raus holen, Kamera Starten, Foto machen, gelingt immer. Kurz und knackig vorneweg, das funktioniert beim iPhone 8 immer noch zuverlässig genau so und nicht anders.

 

Als Kritikpunkt muss ich direkt vorweg schicken, dass der Punkt die Kamera “schnell zu öffnen” für mich eindeutig der schwerste war. Die Geste um auf dem Sperrbildschirm trotz Benachrichtigungen dann richtig die Kamera aufwischen ist so etwas von sperrig und schlecht designed, da dreht sich einem der Magen um wenn man andere Fabrikate gewohnt ist. Double-Tap auf Homebutton oder Power-Button wie bei Android Herstellern üblich ist diesem gefrickel hundertfach überlegen!

 

Aber wo das Gerät doch Punkten kann, ist die gute Qualität von Bildern, bei denen man sich keine Mühe gegeben hat. Und dass ist für mich eine sehr wichtige Eigenschaft. Da gibt es neidlos einen Daumen nach oben, das iPhone 8 darf weiterhin bei den besseren Kameras am Markt mitspielen. Den Anspruch auf die Beste Kamera hat Apple natürlich selbst aufgegeben, in dem der Budget iPhone Käufer (799€ lol) natürlich auch nur die Budget Kamera bekommt. Die gute Technik gibt es nur für iPhone 8+/iPhone X Käufer, schade schade schade. Eine ziemlich miese vorgehensweise die auch nur bei Apple so gelebt wird, egal ob Samsung, HTC oder Google Pixel, überall kann man auch die bestmögliche Kamera in kleineren Geräten anbieten.

 

 

Aber nun gut, anbei ein paar Fotos die ich mit iPhone 8 gemacht habe, natürlich alles nicht bearbeitet und noch im .HEIC Format: https://photos.app.goo.gl/HWI2A5vpf356kO4l1

 

Fazit für mich, sehr gute Ergebnisse, aber zusätzliche Spielereien wie zweite Linse mit Zoom-Effekt oder der bekannte Porträt-Effekt mit Tiefenschärfe bleiben den Premium Modellen bei Apple vorbehalten.

 

iOS - Mein Endgegner

 

Okay, ich bin seit dem Jahre 2010 fest bei Android verdrahtet und habe inzwischen ca. 40 Geräte getestet für Base und Telefonica und das waren fast ausschließlich Android Geräte und daher bin ich sicher etwas festgefahren. Aber für mich ist iOS einfach die Hölle, in allen Lebenslagen.

Das Design ist gruselig (ja gar nicht subjektiv), wenn man das Control Center nach oben wischt, was für eine Beleidigung an meine Augen wenn ich da die Rentner Buttons präsentiert bekomme und die groß gefeierten Anpassbarkeiten in diesem Bereich sind ein Witz.

 

Dann die fundamentale Idee die “zurück” Funktion oben Links in iOS zu integrieren, also an der am schlechtesten zu erreichenden Stelle machen selbst aus dem kleinen iPhone ein Zweihand-Device. Mal abgesehen davon, dass kleine Taptargets, wie die zurück Taste, dann ganz oft nicht erkannt werden. Dass wiederum erklärt die monströsen Regler im Control Center wenn ich so darüber nachdenke.

 

iOS 11.0 mit dem ich das iPhone 8 in Betrieb genommen habe war eine Frechheit, hier ist der Kunde noch live dabei die Beta abzuschließen. Ein Umstand den leider viele Hersteller so leben, aber es braucht mir nie wieder ein Apple Fan sagen, dass es bei Ihnen besser läuft als bei anderen. Dem ist nicht so, es läuft in diesem Segment leider aktuell bei den meisten genau so, dass die Produkte beim Kunden reifen müssen. Der Bug, dass man Anfangs nicht ohne Störgeräusche telefonieren konnte, war schon sehr nervig und wurde dann Gott sei dank nach zwei Woche gefixt.

 

Einer meiner Lieblingsmomente war, als der App Store mit die gleiche App (ZDF) zwei mal installiert hatte und ich sie dann garnicht mehr benutzen konnte. Klar, sowas passiert nicht jedem, aber ich wollte nur unterstreichen, dass man bei Apple wohl oder übel auch nur mit Wasser kocht.

 

Exkurs zum iPhone Pricing und Apples neuer, breiteren Strategie

 

Wenn es an den Kauf des iPhones geht, dann muss sich jeder vergegenwärtigen, wo er im Apple Universum nun stehen möchte. Denn spannender Weise hat Apple nicht nur bei der Namensgebungen einen Wechsel hingelegt (kein 7s, direkt 8), sondern hat auch nicht wie üblich nur eine Vorgängerversion im Sortiment behalten, sondern direkt zwei.

 

Apple verkauft nun also direkt bei sich im Shop die folgenden Modelle: iPhone SE, 6s/6s+, 7/7+, 8/8+ und X. Macht insgesamt 8 Varianten, ohne die unterschiedlichen Speichergrößen aufzulisten. Ich kann somit nur jedem raten sich genau zu überlegen, bin ich an einem großen oder kleinen Gerät interessiert, wie viel Speicherplatz brauche ich und dann einfach mal ins Portemonnaie schauen welches iPhone man sich leisten kann oder möchte. Denn zwischen 409€ (iPhone SE 32GB) über 799€ (iPhone 8 64 GB, bzw 969€ für 256GB) bis zu 1.319€ für das iPhone X 256GB ist ja doch eine Menge Spielraum.

 

Apple besetzt durch die Ansammlung von alten Geräten und den drei neuen Modellen aus dem Jahre 2017 inzwischen eine recht breite Palette wie man es bisher nur von anderen Herstellern kannte.

 

Fazit

 

Ob ihr beim iPhone 8 richtig seid, dass ist die große Frage und ich kann euch diese nicht gänzlich beantworten. Ihr solltet  wohl auf der Suche nach einem aktuellen iPhone sein, welches minimal besser ist als das iPhone 7, den kleinen Formfaktor mitbringt und ansonsten aber die zuverlässig gute Kamera an Board habt wie ihr sie kennt. Und letztendlich dann wesentlich billiger ist als das iPhone X. Und ob euch hier die "Innovationen" oder der Preis abschrecken, ist dann auch egal.

 

Ich würde weiterhin auf gar keinen Fall ein iPhone kaufen, entweder würde ich mit weniger Geld, ein besseres Android Smartphone kaufen oder für das selbe Geld ein besseres Android Smartphone kaufen Aber dass ist ja nur meine ganz persönliche kleine Welt.

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