Skip to main content
Warum O2
Warenkorb
Service
Frage

Weg vom Telekom Backbone


TheNakedPirate
Besucher:in

Hi,
ich will und muss weg vom Alptraum Telekom.

Hintergrund:
Ich hab keine Lust mehr, das Peering/Routing der Telekom hinzunehmen.
Ist ja jetzt seit Jahren ein Dauerbrenner in der deutschen Tech-Community 
und massive Engpässe bei Cloudflare sind nur die Spitze des Eisbergs; betroffen sind sehr wohl am Mittag und Abend alle Netzdienste, auch Microsoft oder AWS mit teilweise irrer Latenz/Pings im Sekundenbereich bis zur totalen Nichterreichbarkeit. 

Streaming und Gaming als Telekom-Kunde ist außer am frühen Morgen nahezu unmöglich, Probleme mit Twitch, YouTube und Prime Video sind immer noch an der Tagesordnung. Die "Leistung" der Telekom ist auch kein Randphänomen, sondern eine strukturelle Konstante in der deutschen IT-Landschaft. Deutsche Gamer werden in der Community nahezu bemitleidet oder sogar verspottet. Ab 14/15 Uhr oder gar am Wochenende brauchst du ohne VPN erst gar nicht daran denken, PvP oder irgendwas aus der kompetitiven Ecke anzugehen: Du liegst mausetot am Boden, bevor du realisierst, dass dich ein Gegner gerade vor 2 Sekunden erschossen hat und dabei ist völlig wurst, ob die Server in Amsterdam oder an der Ostküste stehen. Latenz und Jitter sind unter alle Sau. 

 Alle "richtigen" deutschen Nutzer, die ich kenne, also ITler, Gamer, Content-Creator, Profis, Leute, die beruflich 24/7 auf verschiedene Dienste angewiesen sind, sind nicht mehr bei der Telekom, wenn irgend möglich, oder benutzen VPN-Dienste. Meist wird hier O2 empfohlen - deswegen hab ich mich nun hier im Forum angemeldet.

Fakt ist, dass bspw. 1und1 oder Easybell hier an meinem Wohnort nur Resale/Wholesale anbieten.
Es gibt keinen anderen Netzausbau oder BSA. Ich wohne im Landkreis Schweinfurt/Unterfranken.

Lt. Verfügbarkeitsprüfung ist VDSL in der L Variante mit 175 max. verfügbar. M mit 100Mbit ist mir sympathischer, da ich nicht sonderlich vermögend bin, aber das nur nebenbei.
Glasfaserausbau ist nicht vor 2029 realistisch.

Fragen:
1. Ist es sicher, dass ich mit dem Wechsel zu O2 BSA bekomme und endlich das Telekom-Backbone vermeiden kann?
2. Wer kann mir sagen, ob L1, 2 oder Layer3, bzw. wo mein Übergangspunkt ins O2-Netz sein wird?
3. Falls nur Layer3-BSA möglich: Lohnt sich der Umstieg?

Danke für Info und LG!
 

11 Antworten

Forum|alt.badge.img+10

Hi,

1. Ist es sicher, dass ich mit dem Wechsel zu O2 BSA bekomme und endlich das Telekom-Backbone vermeiden kann?

Ja. o2 verwendet bisher (bei Anschlüssen die über der Infrastruktur der Telekom realisiert werden) ausschliesslich L3-BSA.

2. Wer kann mir sagen, ob L1, 2 oder Layer3, bzw. wo mein Übergangspunkt ins O2-Netz sein wird?

Wo der Übergangspunkt sein wird kann man nicht pauschal beantworten. Je nach Wohnort kann es ein festes sein, oder auch ggf. abwechselnd den einen oder den anderen.

3. Falls nur Layer3-BSA möglich: Lohnt sich der Umstieg?

Klar, definitiv. Nur im Falle von Wholesale Internet Access (WIA) würdest du (wie bei manchen Anschlüsse von 1&1) weiterhin im Hintergrund das Netz der Telekom (also AS3320) verwenden. Das ist bei o2 nicht der Fall.

Lt. Verfügbarkeitsprüfung ist VDSL in der L Variante mit 175 max. verfügbar. M mit 100Mbit ist mir sympathischer, da ich nicht sonderlich vermögend bin, aber das nur nebenbei.

der o2 Home L ist trotzdem günstiger als der MagentaZuhause L (ich betrachte lediglich den Preis ohne Neukundenrabatte etc.). Zusätzlich kannst du, falls du einen dafür geeigneten Mobilfunktarif bei o2 hast, vom Kombirabatt in Höhe von 10€ profitieren.

Deutsche Gamer werden in der Community nahezu bemitleidet oder sogar verspottet.

[...]

oder benutzen VPN-Dienste [...]

Einzig der Wechsel des Internetanbieters ist hier eine nachhaltige Lösung. Mit der Nutzung eines VPNs bezahlt man im Prinzip extra, um den bereits teuren Internetanschluss überhaupt angemessen verwenden zu können. Ebenfalls bleibt man dann auch Teil der “Kundenmasse” die zur Verhandlung mit den verschiedenen zu melkenden Vertragsparteien (z.B. Cloudflare, AWS, ...) dient. Dazu müssen sicherlich auch diese VPN Dienste entsprechende “goldene Route” ins Netz der Telekom einkaufen, damit diese ja auch selbst zu stosszeiten gut erreichbar sind (und diese Kosten werden entsprechend auch an den Kunden indirekt weitergegeben). Als netten Bonus dazu spart man auch noch ein paar Euros jeden Monat.

Letztendlich ist es wichtig zwischen Access Infrastruktur (also Strecke zwischen DSLAM und dein im Router integriertem Modem) und Internetanbieter zu kennen. Ersteres wird quasi immer von der Telekom betrieben, sie haben einen Infrastrukturmonopol. Bei letzterem hat man allerdings eine Auswahl an verschiedene Internetanbieter, die über der Infrastruktur des Infrastrukturbetreibers ihre Produkte anbieten.

Wenn die Access Infrastruktur eine Störung hat (was die allermeisten Störungsfälle sind), hast du das Problem dann auch egal welcher Internetanbieter du gewählt hast, denn es handelt sich letztendlich um den selben DSLAM und die selben Telefonkabel bis zu deinem Modem. Zur Entstörung wird auch der Infrastrukturbetreiber beauftragt (es ist ja auch seine Infrastruktur), dieser beauftragt dann entsprechend einer seiner Techniker oder einen Subunternehmen, der dann für den Infrastrukturbetreiber die Enstörung durchführen.


Fragen:
1. Ist es sicher, dass ich mit dem Wechsel zu O2 BSA bekomme und endlich das Telekom-Backbone vermeiden kann?

Jain, O2 nutzt sogenantes L3- oder IP-Bitstrom-Access (kurz L3-BSA) dabei “tunnelt” die Telekom den Traffic der O2 Kunden, durch ihr Kernnetz/Backbone zu einem von ein bis zwei Handvoll an Uebergapepunkten (z.B. Berlin, Frankfurt/Offenbach, Hamburg/Ahrensburg, Duesseldorf/Hilden, Muenchen/Heimstetten). D.h. Du wirst das Backbone der Telekom nicht vermeiden.

ABER am Backbone der Telekom gibt es mMn. auch nichts auszusetzen (kompetent gebaut und gemanagt), das Problem sind die Uebergaben/Peerings* und die umgehst Du bei L3-BSA komplett, bzw. da greift die uebliche Peering-Politik der Telekom nicht.

*) Und auch die werden kompetent gebaut und gemanagt, dummerwiese mit einen Firmen-Ziel, dass diese Uebergaben besonders in den Spitzenlastzeiten “heisser” laufen als aus Endkundensicht wuenschenswert.

 

2. Wer kann mir sagen, ob L1, 2 oder Layer3, bzw. wo mein Übergangspunkt ins O2-Netz sein wird?

L3-BSA, aktuell gibt es keine Indizien, dass O2 irgend ein anderes Vorprodukt bei der Telekom einkauft. Wo Dein Uebergabepunkt sein wird ist nicht 100% klar, aber meine Vermutung waere Frankfurt/Offenbach, oder vielleicht Muenchen/Heimstetten.

 

3. Falls nur Layer3-BSA möglich: Lohnt sich der Umstieg?

Bei Deinen geschilderten Problemen mit der Telekom, vermute ich stark, dass Du mit O2 zufriedener sein wirst. Und “lohnen” sollte sich das schnell, weil man bei O2 i.d.R. weniger zahlt als bei der Telekom.
Es gibt ein paar Punkte die man zu O2 wissen sollte:

  1. O2 macht noch die “klassische” Trennung der PPPOE-Verbindung alle 24 Stunden und vergibt dann immer neue IPv4 und IPv6 Adressen/Praefixe. Ich dachte erst das wuerde mich vielleicht stoeren und habe deshalb einen Flex-Tarif gebucht, stellte sich aber raus, dass fuer meine Nutzung das kein echtes Problem war, aber ich habe fuer IPv4 einen dynmaischen DNS-Service bei duckdns.org am laufen.
     
  2. SIP/Telephonie, da gibt es eine Reihe von Problemchen:
    B.1: die O2-SIP Server werden nur von den O2-eigenen DNS-Servern aufgeloest, und da auch nur zuverlaessig von den IPv4 Servern. Zusaetzlich werden die Adressen nur aufgeloest wenn die Quell-IP-Addresse der Anfrage ebenfalls im O2-Netz liegt.
    B.2: die SIP Server sprechen nur IPv4
    B.3: Fuer nicht HomeBox/FritzBox Nutzer kann es etwa eine Woche dauern, bis SIP Nutzername und Passwort im Kundencenter abrufbar sind (Fritzboxen und HomeBoxen erlauben auto-konfiguration, angeblich direkt ab Schaltung).

    MMn. sind das Problemchen die einen wenn man die Telephonie einmal eigerichtet hat nicht mehr betreffen, die aber bis dahin fuer vermeidbare “Reibung” sorgen koennen.
     
  3. O2 hat keinen richtigen Support per E-Mail oder Forum, sondern nur per Chat und Telephon. (Die grossartigen Moderatoren hier im Forum, sind fuer manche Probleme super-hilfreich, aber i.d.R. nur solche Probleme an denen Chat und Hotline bereits gescheitert sind; zusaetzlich schalten die Moderatoren sich hier meist nicht zeitnah ein, ist ja ein Kunde-hilft-Kunde Forum )

    Auch das betrifft einen nur wenn man den Support braucht, was bei mir, wenn ich mich recht erinnere, nur ganz am Anfang bei der SIP Einrichtung der Fall war, und da war der Support nicht wirklich hilfreich… damals hilfreich gewesen waere die Information gewesen, dass es 1 Woche dauert bis die Informationen im Kundenzentrum abgerufen werden koennen. 

 

 


soomo
Mitgestalter:in
  • July 18, 2026

Hallo ​@TheNakedPirate 

--”

Ich hab keine Lust mehr, das Peering/Routing der Telekom hinzunehmen.

“--

Ich fühle mit dir! Aber wie schon ​@pufferueberlauf0 geschrieben hat, hast du hier auch nur die Auswahl zwischen Pest und Cholera.

Ich drücke dir die Daumen und hoffe darauf, das du den Wechsel nicht bereust.


Forum|alt.badge.img+4
  • Stammgast
  • July 18, 2026

“Ab 14/15 Uhr oder gar am Wochenende brauchst du ohne VPN erst gar nicht daran denken”

 

Für mich zum Verständnis, was hat VPN damit zu tun? Was kann man damit umgehen?


soomo
Mitgestalter:in
  • July 18, 2026

Hallo ​@Boffer 

--”

was hat VPN damit zu tun? Was kann man damit umgehen?

“--

Damit umgehst du die Telekom-Infrastruktur. Es ermöglicht wieder die möglicherweise uneingeschränkte Nutzung verschiedener Dienste und Anwendungen.


Für mich zum Verständnis, was hat VPN damit zu tun? Was kann man damit umgehen?

Das Problem bei der Telekom ist, die lassen ihre Uebergaben/Peerings (zu den anderen T1-ISPs, zumindest fuer deren Transittraffic) absichtlich zu heiss laufen. Diese Uebergaben sind per definitonem kostenneutral, d.h. die Telekom verdient daran nichts. Andere Uebergaben ins Telekom-Netz kosten ueblicherweise Geld entweder weil man selber Transit bei der Telekom kauft oder wenn es nur um die Erreichbarkeit der Telekom-eigenen Anschluesse geht auch “paid Peering”. Details gibt es z.B. bei netzbremse.de.

Aber kurz, es gibt also Wege ins Telekomnetz die problematisch sind, und solche die unproblematisch sind (weil jemand die Telekom dafuer bezahlt, zusaetzlich zu dem was die Telekomendkunden bereits fuer den selben Traffic zahlen). Wenn man nun Server nutzt die von dem, was ich eine Politik des “vorsaetzlichen Unterpeerings” nenne, betroffen sind, kann es helfen statt diese Server direkt anzusteuern, ein VPN zu nutzen. Dafuer muss dieses VPN selber gut mit dem Netz der Telekom und dem des Serverbetreibers oder dessen Transitprovidern verbunden sein. Statt ueber die folgende Route:
Serverbetreiber-Netz → Transitanbieter-Netz (das koennen mehrere geschachtelt sein) → Telekom

die problematischb ist wenn die Verbindung zur Telekom vorsaetzlich ueberlastet ist geht es per VPN so:
Serverbetreiber-Netz → (Transitanbieter-Netz (das koennen mehrere geschachtelt sein)) → VPN-Anbieter-Netz  → Telekom

Das ist natuerlich nur ein Beispiel… um die Idee zu illustrieren warum ein VPN helfen kann (aber nicht muss, wenn der VPN Anbieter auch nur ueber normalen Transit mit dem Telekomnetz verbunden ist kann es auch mit #VPN haken).

 

 

 

 

 


Forum|alt.badge.img+4
  • Stammgast
  • July 18, 2026

@soomo Weil ich mich dann über die Server des VPN-Anbieters verbinde? Ich nutze zwar noch die “Leitung” der Telekom, “gehe” dann aber über den externen Server?!


ch fühle mit dir! Aber wie schon ​@pufferueberlauf0 geschrieben hat, hast du hier auch nur die Auswahl zwischen Pest und Cholera.

Das war gar nicht meine Absicht O2 als schlimme Krankheit darzustellen, ich bin zufriedener O2-Kunde, und finde die geschilderten Probleme alle weit weniger relevant/gravierend, als die Problem bei der Telekom, weil diese den Kern des Produktes Internetzugang betreffen.


soomo
Mitgestalter:in
  • July 18, 2026

@Boffer 

Vereinfacht gesagt, ja. Dadurch werden deine Daten durch eine andere, nicht künstlich beschnittene und unnötige, Route geschickt. Dadurch wird die Nutzung des Internets wieder weitestgehend ermöglicht.


TheNakedPirate
Besucher:in

Erst mal 1000 Dank an alle Beteiligten für die schnellen Antworten und euer Interesse.
Das ist sehr lieb und hilfreich!

Zur Frage nach den VPNs ​@Boffer :
Ja, so umgeht man grundsätzlich tatsächlich das Peering der Telekom.

Mit Cloudflare Warp, Nord, Proton und Co, um nur einige zu nennen, hab ich am abend bspw. Pings nach Amsterdam zwischen 20 und 40ms, maximal höchstes der Erfahrung 50ms, Jitter sehr gering und stabil. Also im Schnitt nur zwischen 5 und maximal 15ms mehr als mit einer guten Telekom-Verbindung um 7 in der Früh. 
Mit meinem DSL bei der Telekom lieg ich zu ungünstigen Zeiten bei im Schnitt 100-200ms und Spitzen von 2-3 Sekunden(!), bis tatsächlich zur Unerreichbarkeit mancher Gameserver, Selbst die CLoudflare-Captchas laden auf den Webseiten nicht mehr, auch Youtube wird grottenschlecht, etc…. 
 
Also neben der massiven Latenz dann Jitter (die Differenz zwischen den Paketen), die so katastrophal sind, dass Echtzeitanwendungen wie Spiele völlig unmöglich sind. Täglich. Tatsache! (Wohlgemerkt nur am Nachmittag und Abend oder Wochenende). Aber ich bin ja bekanntermaßen wahrlich nicht alleine mit dem Problem - es betrifft bei genauem Hinsehen die Mehrzahl der Telekom-User, auch wenn es natürlich viele gar nicht bemerken, da sich ihr Nutzungsverhalten auf E-Mails und Magenta-irgendwas beschränkt.

Da entscheide ich mich liebend gern für eine stabile VPN-Verbindung... das absichtliche Peering-Problem der Telekom ist für viele Leute wie mich so massiv, dass die zusätzlichen paar Millisekunden des VPN keinerlei Rolle spielen.

Das geht es im Kern seit Jahren so, mal schlimmer, mal besser, derzeit seit 3 Tagen wieder katastrophal!

LG

 


5G_Tester
Legende
  • Legende
  • July 18, 2026

Der Ping könnte je nach Standort mit o2 etwas höher werden, da kleinere Hops im Routing fehlen, die Telekom hat. So zumindest meine Erfahrung mit o2 Glasfaser.

Ansonsten ist o2 Festnetz aber echt top. Mittlerweile merke ich manchmal sogar einen Unterschied wenn ich dann plötzlich bei Freunden mit einem Telekom Festnetz verbunden bin und dann die großen bekannten Seiten mit Peering Problemen langsamer laden.