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Rant: Können wir diesen Zwangstrennungs-Atavismus langsam mal bitte abschaffen?

  • July 11, 2026
  • 9 Antworten
  • 100 Aufrufe

Ich versuche den Beitrag freundlich zu halten, aber ich bin ehrlich gesagt nur noch genervt von dieser unsäglichen aus der Zeit gefallenen Zwangstrennung, die o2 immer noch für notwendig hält.

Speziell mit IPv6 ist das einfach ein absoluter Krampf, weil irgendwelche Geräte dann stundenlang noch versuchen mit dem veralteten Präfix zu arbeiten. Ich *kann* versuchen, die Lifetime des IPv6-RA entsprechend runterzuschrauben – aber ab einem bestimmten Minimalwert akzeptieren Android-Geräte das RA einfach nicht mehr und haben dann keine IPv6-Konnektivität.

Das ist konsistent mit RFC 4862, Abschnitt 5.5.3, Punkt e. Das bedeutet aber, dass ein Gerät, eine generierte IPv6-Adresse aus dem dynamischen Präfix mindestens 2 Stunden behält. Also, zwei Stunden über die Zwangstrennung hinweg, wenn’s schlecht läuft.

Trotz Anwendung von BCP 234 auf meinem Router habe ich Probleme mit den hängenden Präfixen nach der Zwangstrennung, die sich meist erst nach einer gewissen Zeit von selbst beheben.

Die Autoren der Standards nahmen wohl an, dass Provider spätestens mit IPv6 einsehen würden, dass ständige Präfixwechsel aufwendiger sind und ohnehin keine technischen Gründe eine regelmäßige Trennung erforderlich machen. Für die jüngeren: Das hat man damals bei Analogmodems eingeführt, weil bei zu langen Verbindungen die Relais in der HDW-Vermittlungstechnik überhitzten. Spätestens ab ISDN (was ja auch mittlerweile schon tot ist) war keine technische Notwendigkeit mehr dafür da, bei DSL sowieso nicht. Da war es nur Gängelung des Kunden, damit man ihm eine statische IP verkaufen konnte.

Nebenbei: Würde ich euch vielleicht sogar als Option abkaufen, aber dafür braucht man ja aktuell einen Gewerbeschein. Dann eben nicht.

Jetzt haben wir IPv6 und VoIP (aber nicht zusammen, wo kämen wir denn schließlich hin, wenn man einen Dienst, der nicht gut mit NAT umgehen kann über ein Protokoll überträgt, welches kein NAT braucht) – und so ziemlich jeder Provider in Deutschland macht keine Zwangstrennung mehr.

Denn zum einen ist es einfach ein riesengroßer – man verzeihe meine Wortwahl – Kernscheiss, täglich wechselnde Präfixe zu haben, zum anderen würden damit durch eine Zwangstrennung möglicherweise Notrufe unterbrochen.

Der Telekom, vor deren Peering ich zu o2 geflohen bin, kann man viel vorwerfen – aber wenn man mal verbunden war, hielt dieser Zustand monatelang an. Und damit ist die Telekom nicht alleine, Vodafone, Easybell und eigentlich fast alle anderen Provider machen auch keine Zwangstrennung mehr, zumindest nicht alle 24 Stunden.

 

Wenn sich an diesem Zwangstrennungs-Unsinn nicht absehbar was ändert, werde ich (ich habe wohlweislich keine Mindestlaufzeit gewählt) wohl auch von o2 weiterziehen. Das Peering ist zwar besser als bei der Telekom, aber mittlerweile geht mir dieser ganze “wir müssen aber unbedingt alle 24 Stunden ihren Internetzugang kurz abschalten”-Schwachsinn so dermaßen auf die Nerven, dass die gelegentliche Congestion bei der Telekom dagegen wie eine Kneipp-Kur wirkt.

Bitte habt endlich ein Einsehen und stellt dieses Relikt aus der Anfangszeit der Datenfernübertragung ab. Auch, wenn es aktuell euer Alleinstellungsmerkmal ist.

9 Antworten

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  • Mitgestalter:in
  • July 12, 2026

@LordGurke 

Bei O2 gibt es auch noch die Zwangstrennung beim Telefonieren nach zwei Stunden. Zum Glück telefoniere ich selten so lang, da ist ein erneuter Anruf kein Problem. 😅

Mein Lösungsvorschlag wäre ein VPS mit WireGuard: Der Anschluss baut selbst einen Tunnel zum VPS mit fester IP auf. Nach einer Zwangstrennung kann sich der Tunnel automatisch neu verbinden, während die internen Tunnel-Adressen gleich bleiben. Ganz verhindern lässt sich eine kurze Unterbrechung dadurch selbstverständlich ebenfalls nicht, aber es gäbe keine Verbindungsunterbrechnung zu deinem Gerät von bis zu zwei Stunden.

 


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Wenn sich an diesem Zwangstrennungs-Unsinn nicht absehbar was ändert

Ich fürchte es gibt hierzu weiterhin keine Pläne das zu ändern (dieses Thema wird hier nicht zum ersten Mal angesprochen). Ggf. wissen Moderatoren mehr, und/oder können im Fachbereich nachhaken, aber gehe erstmal davon aus dass die 24h Session Zeit bleibt.

Bei Kabel Produkte gibt es diese allerdings nicht, dafür hat man aber ausschliesslich IPv4 mit Carrier-Grade-NAT (falls das für einen wichtig sein soll, weil man über IPv4 etwas im Internet bereitstellen will).

Die Problematik dieser Zwangstrennung mit IPv6 ist allgemein bekannt, aber nicht direkt dem Anbieter geschuldet. Je nach dem welchen Router man verwendet, wird das mehr oder weniger elegant (hust hust pfSense) gelöst und kann durchaus zu der von dir beschriebene Problematik führen, dass manche Clients stundenlang noch die (eigentlich nicht mehr gültige) IPv6 Route verwenden, die seit der PPPoE Neuverbindung ungültig wurde. Dafür ist es erforderlich, dass der Router zeitnah die nun nicht mehr funktionierende Route auch entsprechend seiner Clients kommuniziert, aber das macht halt (z.B.) pfSense nicht (bei der PPPoE Zwangstrennung, bei einem Reboot schon).

und so ziemlich jeder Provider in Deutschland macht keine Zwangstrennung mehr.

Mit PPPoE? Doch, sehr wohl, aber halt nicht 24h, sondern 180 Tage (im Fall Deutsche Telekom).

Ich selbst habe es so “gelöst” dass die PPPoE Session zu einer Zeit neuaufgebaut wird, die wenig störend ist, auch für die paar Clients, die ältere IPv6 Routen bevorzugen wenn neue publiziert werden. Ich verwende allerdings auch ausschliesslich SLAAC. Für mich ist das Peering der Telekom deutlich unangenehmer als diese (trotzdem unangenehme) Zwangstrennung.


thomasschaefer
Mitgestalter:in
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O2 ist auch der einzige Mobilfunkanbieter, der alle 24h trennt. 

Es wäre wirklich an der Zeit dieses Relikt anzuschaffen.


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  • Mitgestalter:in
  • July 12, 2026

Erfolgt diese O2-Zwangstrennung 24 Stunden nach dem letzten Verbindungsaufbau oder stets zu einer bestimmten Tageszeit (ggf. vermutlich irgendwann in der Nacht)?


schluej
Legende
  • July 12, 2026

@LordGurke auch bei einer Fixen IP Adresse trennt O2 nach 24h die Verbindung.

@MSpring nach 24h. Die HomeBox legt die auf die Zeit um 04:00.

@LordGurke man Verhindert damit auch, bedingt, das die Kunden Server betreiben.


https://ftthtabelle.pages.dev

Hat Informationen dazu welche FTTH-ISPs und 

https://vdsltabelle.pages.dev

welche DSL-ISPs mit 24 Stunden Zwangstrennung arbeiten (beide Tabellen sind relativ vollstaendig beanspruchen jedoch bewusst keine Vollstaendigkeit). Ich wuerde mal sagen 

Und damit ist die Telekom nicht alleine, Vodafone, Easybell und eigentlich fast alle anderen Provider machen auch keine Zwangstrennung mehr, zumindest nicht alle 24 Stunden.

ist etwas zu scharf formuliert. ABER ich stimme Dir voll zu es waere ein weiterer Punkt O2 empfehlen zu koennen, wenn die Trennungsfrequenz (deutlich) abgesenkt werden koennte.

 

Die Autoren der Standards nahmen wohl an, dass Provider spätestens mit IPv6 einsehen würden, dass ständige Präfixwechsel aufwendiger sind und ohnehin keine technischen Gründe eine regelmäßige Trennung erforderlich machen. 

Jain, das Problem hier ist eher, dass die IPv6-Clowns in der IETF schlicht, vermutlich beseelt vom 2nd-system-syndrom, alles besser machen wollten als vorher und dabei gerne ignoriert haben wie es in der Praxis laeuft… 

 

Die Problematik dieser Zwangstrennung mit IPv6 ist allgemein bekannt, aber nicht direkt dem Anbieter geschuldet. Je nach dem welchen Router man verwendet, wird das mehr oder weniger elegant (hust hust pfSense) gelöst und kann durchaus zu der von dir beschriebene Problematik führen, dass manche Clients stundenlang noch die (eigentlich nicht mehr gültige) IPv6 Route verwenden, die seit der PPPoE Neuverbindung ungültig wurde.

 

+1; unter OpenWrt taucht das Problem eigentlich nur nach (ungeplanten ploetzlichen) Router-Reboots auf, die “Zwangstrennung” wird ganz passabel ueberbrueckt.

 

Persoenlich, geht mir die Ipv6-Arroganz der IETF inzwischen so auf den Senkel, dass ich ernsthaft erwaege intern nur mit ULAs zu arbeiten und dann NAT66 im Router zu implementieren, weil ich die Hoffnung aufgegeben habe, dass die IETF das mit IPv6 Multi-Homing zu meinen Lebzeiten noch wird loesen koennen. (So ist eine Antwort auf das Versagen bei Multi-Homing so zu tun als waeren Multipath-TCP und Multiplath-QUIC adaequate Loesungen)


Klaus_VoIP
Legende

Wie man an Vodafone-Kabel ohne Zwangstrennung sieht, könnte es auch an den Verträgen liegen, die man mit den Vorlieferanten hat. Man braucht nur mal schauen bei welchen Vorlieferanten wie Telekom/Vodafone/UGG/WT/Ewe  die Zwangstrennung aussieht. 😉

Das Resellerprodukt darf eben nicht besser sein als das Original. 


Oh, beider Telekom, zumindest bei L2-BSA kann ein Reseller auch DHCP verwenden, ohne Zwangstrennung wenn ich da die Unterlagen richtig lese… und z.B. Vodafone bietet ja auch ueber Telekomvorleistungen PPPoE-Anschluesse ohne 24-Stunden Trennung an.


o2_Giulia
  • Moderatorin
  • July 16, 2026

Hallo ​@LordGurke

uns liegen aktuell keine Informationen vor, die auf eine Abschaffung der 24-Stunden-Trennung bei unseren DSL- und Glasfaseranschlüssen hindeutet. 

Ich kann selbstverständlich nachvollziehen, dass sie für dich einen zusätzlichen Aufwand bedeutet. Konnten dir die Tipps unserer User bereits etwas weiterhelfen?

Viele Grüße

Giulia