Kreative Workflows: Bilder und Videos bearbeiten

Kreative Workflows: Bilder und Videos bearbeiten
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Hier werden ja schon viele technische Sachen besprochen, darum dacht' ich mir: "Hey - noch so'n Bereich täte dem Forum bestimmt ganz gut." :D
In der heutigen Zeit, wo Smartphones immer bessere Kamera's bekommen und Software für PC, Mac und Linux immer benutzerfreundlicher werden, wird das Interesse an digitalen Medien immer größer.

Worum solls hier gehen?
Wer gern fotografiert, retuschiert vielleicht das eine oder andere. Setzt Filter ein und nutzt Programme, wie GIMP, Photoshop oder Apps wie die von Instagram, um die eigenen Werke zu perfektionieren. Andere hingegen möchten gern ihr Urlaubsvideo bearbeiten, schneiden und ihrer Familie oder Freunden schicken.
Wer vielleicht auch beruflich oder ehrenamtlich an Layoutdesign beschäftigt ist oder generell viel mit Office-Programmen (Word, Excel oder sonstigen Alternativen) arbeitet, hat vielleicht auch ein paar Kniffe, wie man schnell und schön bestimmte Ergebnisse erzielt.

Wäre das nicht toll, wenn hier die Kreativen ihre Einflüsse, Ideen und Kniffe verraten? Vielleicht auch Anleitungen und Hilfe geben, wenn andere selbst nicht weiter wissen?
Dann hoffe ich, dass wir hier eine schöne, gemeinsame Zeit in diesem Thread haben werden. :)

Nur noch als Ergänzung:
Selbstverständlich soll es hier um jegliche Geräte, Hard- und Software gehen. Allerdings primär in der Nachbearbeitung. Themen a lá: "Welche Spiegelreflexkamera macht die besten Bilder?" sind mit diesem Thread nicht gemeint.

 

Titelbild by Joao Silas von Unsplash


38 Antworten

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Einfacher 3D-Effekt in Photoshop



Habe das mal getestet und ist echt super. 🙂 Ich bin nur nicht sicher, ob man in Photoshop Elements auch die RGB-Kanäle bearbeiten kann, habe den "normalen" Photoshop benutzt.



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Wer gern mal eigene Bilder mit einem Look, wie man ihn häufig in Filterlisten findet, gestalten möchte, für den habe ich mal einen kleinen Tipp :)



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Wer Text auf Bilder setzen möchte, der wird schnell feststellen, dass dies doch schwerer als gedacht ist. Denn häufige Probleme sind unter anderem die Position, Textfarbe oder allgemein gesagt die Lesbarkeit.



Eine leichte Möglichkeit, wie man das Problem in Griff bekommt, habe ich hier unten gepostet. Es ist ein Bild aus dem Dorf Witzin in Mecklenburg-Vorpommern.



Man benötigt nur ein Rechteck, füllt diese mit der Rahmenfarbe, setzt die Flächendeckkraft auf ca. 20-30% und schon hat man einen super Spot erschaffen, wo der Text super lesbar und informativ platziert werden kann.



Probiert es selbst mal aus und beschriftet eure eigenen Urlaubsfotos! :)



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Zugegebenermaßen - das ist nicht der sensationellste Tipp. Aber wer aus wenig viel machen möchte, der kann diesen Trick sicherlich gebrauchen. :)



Worum gehts? Ist ein Bild beispielsweise zu schmal, bleiben einem zwei Möglichkeiten: entweder zuschneiden oder länger ziehen. Beim länger ziehen besteht natürlich die Gefahr, dass alles verzerrt wird. Was nun? Ganz einfach: Photoshop bietet Algorithmen, um aufgrund künstlicher Intelligenz ein Bild zu erweitern.



Wie, das zeige ich sehr knapp im folgenden Video ;)



Nur noch zum Schluss: natürlich, wie man sieht, kann es grade in den Wolken etc. zu Wiederholungen kommen. Hier muss man also noch selbst etwas Hand anlegen. Aber diese Funktion erleichtert dennoch ungemein viel Arbeit + Zeit. :)



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@FanolParadise echt klasse Beitrag hier im Forum 💪🏼
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Ein einfaches Layout, welches häufig in Büchern genutzt wird, lässt sich ganz einfach nachstellen. Wie? Schaut selbst:




  1. Zieht von links unten bis zur oberen Mitte eine Linie auf, wiederholt dies ebenso auf der rechten Seite.
  2. Nun erstellt ihr einen Textrahmen, welche die Maße so einer halben Seite hat (beispielsweise würde dies bei einer ganzen A4-Seite im Querformat natürlich eine A5-Seite im Hochformat sein).
  3. Diese könnt ihr verkleinern und anpassen. Beachtet: auf der linken Seite muss Punkt "A" und "C" die Diagonale kreuzen. Rechts entsprechend "B" und "D".
  4. Passt die Größe vom Textrahmen entsprechend der Zeichenlänge an (ideal sind ca. 60 Zeichen/Zeile).
  5. Fertig. Viel Spaß beim Layouten eurer eigenen Bücher oder Texte. 🙂

Ach ja: auch wenn die Grafik in Photoshop erstellt wurde, sollte beim Layout stets Adobe InDesign (oder vergleichbare Software) favorisiert werden. ;)



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@o2_Bjoern : Stichwort "Goldener Schnitt"? 😉
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@FanolParadise ich wollte gerade genau das gleiche schreiben, als ich @o2_Bjoern Kommentar gelesen habe. :)



Der "Goldene Schnitt" ist vor allem auch bei Interviews in Videoform wichtig. So oft schaue ich Fernsehen und rege mich darüber auf, dass die Protagonisten im Interview falsch stehen...
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Ich baue mir langsam eine Streak auf: jeden Tag (Abend) etwas mit Gestaltung :D



Dieses Mal habe ich wirklich einen Mini-Workflow gemacht. Und zwar die Kanalanpassung. Wenn aufgrund eines Farbstich's Farben und Kontraste nicht mehr richtig dargestellt werden, dann kann es helfen, die Werkzeuge der Gradationskurve zu benutzen. Dies ist tatsächlich mal ein ausführlicheres Thema, weshalb ich sprechen musste!! :o

Ich hoffe, der Tipp ist informativ und kann das eine oder andere Bild retten. Falls nicht ... vielleicht ja dann ein anderer der vielen weiteren tausend Tipps, die von euch und mir noch kommen werden. :)



Also ... nun zur Kanalanpassung. Viel Spaß beim Schauen :D



Beispielbild (darf gern für jegliche Zwecke genutzt werden :D) :







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@FanolParadise cool, danke für den Hinweis !:slight_smile:

Dann wäre das Thema Geld ja schon geklärt, jetzt brauche ich nur noch die Zeit, um mich mal wieder richtig tief reinzuarbeiten :grinning:  Aber bekanntlich ist da, wo ein Wille ist, auch ein Weg:innocent:

Wenn es so weit ist, werde ich mich hier wieder melden 

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Ich bin nur nicht sicher, ob man in Photoshop Elements auch die RGB-Kanäle bearbeiten kann, habe den "normalen" Photoshop benutzt.

Elements beherrscht, soweit ich das sah, keine Ebenenfunktion. Die wird jedoch benötigt, um das Bild wie im Video gezeigt zu verschieben. Wo wir im anderen Thread bei Lightroom waren: das dürfte dort in dem Programm auch nicht funktionieren. Also das "reine" Photoshop ist wohl nur dafür gedacht.
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Ich möchte kurz eine oftmals zu kurz kommende Sache ansprechen, die man machen kann, um ein Foto signifikant interessanter und "schöner" zu machen:



Zuschneiden.



Bei weitem nicht immer ist auf dem Foto nur das drauf, was auf dem Foto sein sollte bzw. sein muss. Uninteressante Elemente kann man einfach wegschneiden und man erhält dadurch oft ein dynamischeres oder spannenderes Foto mit einer besseren Komposition. Auch kann man durch Zuschneiden dafür sorgen, dass das zentrale Motiv genau dort im Bild auftaucht, wo es am besten wirkt (Tipp: nicht immer ist die Mitte optimal).

Man braucht kein teures Programm fürs Zuschneiden und auch keinerlei Vorkenntnisse, beinahe jedes Bildbearbeitungsprogramm kann es und es reicht ein gutes Auge, um die Bildkomposition zu verbessern.
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Wer Banner oder ähnliches erstellt, wird sicherlich irgendwann auf folgendes Problem stoßen: man möchte ein Bild einfügen, hat aber scharfe Kanten. Sieht nicht nur unschön aus, das Einfügen von Text würde dies nur noch schlimmer machen. Also, wie kann man das Problem nun beheben?







Eine Sache, die man relativ oft sieht, ist das in die Länge ziehen eines extrem schmalen Streifens. Es gibt sicherlich Objekte, da mag es gut aussehen. Wenn wir aber wie bei uns im Bild einen Farbverlauf von einem eher zart orangenem Himmel zu einem graublau-Boden haben, dann sieht es irgendwie komisch aus.







Ich weiß nicht wieso, aber der Effekt sieht nicht gut aus. Klar: es ist besser als eine harte, weiße Kante. Aber wirklich überzeugend finde ich das immer noch nicht.



Eine andere Möglichkeit wäre hier ein Farbverlauf. Ich habe daher mal mit einer Pipette (3x3px Durchschnitt) Farbe aufgenommen und einen Verlauf erstellt. Das Ergebnis lässt sich nun doch schön sehen...







Es wirkt weicher und man kann tatsächlich ernsthaft darüber nachdenken, hier vielleicht noch einen Text mit einzufügen. Oder?



Hier allerdings stoßen wir dennoch an ein anderes Problem: der Farbverlauf, der sowieso schon auf dem Bild ist. Wie gesagt: von orange zu einem graublau. Ich müsste quasi die gesamten Farbtöne einzeln aufnehmen und hoffen, dass die Linien übereinstimmen. Da gibt es eine viel elegantere Methode!

Das Bild ist grob betrachtet recht hell. Daher nehme ich mir eine helle Farbe (in diesem Fall weiß) und ziehe mir daraus einen Farbverlauf:







Und hier hätte wir es: ein weiches Bild, welches mit dunkler Schrift problemlos überlagert werden könnte. Es ist nichts hartes im Bild. Den genauen Verlauf und die Größe muss man natürlich aus- und rumprobieren. ABER: es wirkt bedeutend besser.



Hinweis: Auf den Bildern können u.U. weiterhin harte Kanten zu sehen sein. Das sind allerdings Artefakte, die durch die JPG-Komprimierung entstanden sind.
@FanolParadise cooles Thema!🙌



Für alle interessierten haben wir aktuell auch im Community-Blog Artikel zu dem Thema: @o2_Michi hat den Prisma Photo Editor ausprobiert

und @o2_Tatjana hat die Premiere Rush CC App von Adobe für den Videoschnitt getestet.
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Inspiriert durch das Thema über die App Prisma von @o2_Micha hab ich mir überlegt, möchte ich selbiges mal hier zeigen, wie man das auch ganz einfach in Photoshop erledigen kann.

Natürlich ist dies nicht der finale Schritt, man kann weiterhin noch Bearbeitungen am Bild vornehmen und ebenso coole Looks erzeugen, wie in der App. Aber um diesen "gestrichenen" Effekt hin zu bekommen ... DAS zeige ich kurz und knapp im Video.



Endresultat:





Ich bin wirklich begeistert, was du uns hier so alles zeigst. Also ich persönlich sehe gerne mehr von dir und deinen Tutorials in Sachen Fotobearbeitung 🙂
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Mit Photoshop Express liefert Adobe eine solide mobile Alternative zu Lightroom und einigen Funktionen aus Photoshop CC. Der Sin City Effekt ist wohl einer der Beliebtesten.

Und wie dieser ganz leicht nachzumachen geht, zeige ich im folgenden Video:



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Sonntag ist Muttertag - perfekter Anlass für mich, mal eine Funktion von Photoshop vorzustellen. Natürlich ist dieser Filter nicht für DIESE Art an Effekt gedacht, jedoch lassen sich ja mit ein wenig Kreativität auch Effekte anderweitig verwenden und benutzen. Um welchen es genau geht? Um diesen hier:

Na gut, genauer gesagt um die Verzierungen um den Text herum. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl und Experimentieren lassen sich hier doch ganz schöne Bilder und Muster erzeugen und dementsprechend kann man so auch für zum Beispiel digitale Bilderrahmen Urlaubsfotos ganz leicht verzieren. Wie das geht? Ganz einfach!

In der aktuellen Version von Photoshop (Photoshop 2020) geht man auf:
“Filter > Renderfilter > Bilderrahmen…”

Hier findet man nun ein Fenster mit vielen Mustern, Reglern und natürlich einer Vorschauanzeige. Wer es noch etwas genauer mag, kann oben auf “Erweitert” klicken und sich austoben. Einzig den Punkt “Verblassen” würde ich hier auslassen, da dies nur eine Deckkraft-Korrektur ist, die man jederzeit selbst durch die Ebene vornehmen kann. Zur besseren Bearbeitung empfehle ich auf jeden Fall diese auf einer leeren Ebene durchzuführen (praktisch ist es auch möglich, den Effekt auf eine bereits erstellte Ebene zu überdecken, was jedoch jegliche Bearbeitungsmöglichkeiten nimmt).

Zum Schluss kann man das Bild abspeichern und wer mag: ausdrucken, mit einem netten Text versehen und verschicken. Viel Spaß! :)

 

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Die Königsdisziplin beim Gestalten ist meiner Meinung nach das Erstellen eines Logos. Vielen fällt es gar nicht mal so leicht, selbst was leichtes auf die Beine zu stellen. Beispielsweise das o2-Logo. Eine simple chemische Formel für Sauerstoff. Wieso strengen sich viele Menschen so sehr an oder wollen was überaus einzigartiges schaffen, wenn es doch so einfach ist?

Das möchte ich in den folgenden Beiträgen erläutern (wäre sonst ein seeeeehr langer Beitrag! 😃 )



Abschließend: natürlich schneide ich hier nur ganz grob verschiedene Punkte an. Es fehlen mit Sicherheit weitere Aspekte. Nur würde dies dann doch die Zeichenzahl des Beitrags sprengen. :)



Also fangen wir an:







Diese Frage ist wahrscheinlich mit die Wichtigste im Prozess. Benötige ich WIRKLICH ein Logo? Und falls ja - wofür? Stelle ich Produkte her, die ich kennzeichnen möchte? Oder welchen Zweck soll dieses erfüllen?



Ein Logo erfüllt im gewissen Maße den Wiedererkennungswert. Aber was verspreche ich mir davon? Mehr Verkäufe? Oder eine höhere Bereitschaft, meine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen? Falls das deine Antwort ist, dann muss ich dich enttäuschen. Das ist nicht die Aufgabe eines Logos, sondern die der Marketing-Abteilung.



Anderes Beispiel: Auf Veranstaltungen und Messen mit vielen Ständen repräsentiere ich meine Firma und zeige die Produkte. Das Logo dient als Symbol um zu zeigen: "Hey, hier bin ich", damit man mich aus der Ferne bereits erkennt. Aber auch hier die Frage: soll dies vielleicht dafür der Zweck sein? Auch hier lautet die Antwort: Nein! Dass der Stand gefunden wird und die Zielgruppe anspricht ist Aufgabe des Management, einen geeigneten Standort zu finden, um viele Leute anzusprechen.



Was aber ist denn nun die Aufgabe eines Logos? Stellen wir uns folgenden Vergleich vor: früher hat man Tiere mit Brandzeichen versehen, damit jeder wusste, zu wem dieses Rind, Schaf, Schwein u.ä. gehört. Jeder Besitzer hatte eine einzigartige Form, damit man die Zeichen unterscheiden konnte. Und nun kommen wir zurück zum Logo: brauche ich ein Zeichen oder Marke, damit ich meine eigenen Produkte von denen der Konkurrenz unterscheiden kann? Falls ja, dann Glückwunsch: du hast den Sinn eines Logos erfasst und kannst dieses dann auch nun gestalten.
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Nicht zu vergessen: die App Adobe Lightroom CC, getestet von @o2_Larissa. 🙂
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Hier nun wieder etwas für unsere Fotografen/Fotografinnen 😅☺️

Ich erkläre, warum es nicht gut ist, direkt in Schwarz-Weiß zu fotografieren und auch, wie man farbige Bilder in Schwarz-Weiß konvertiert und die Kontraste bestmöglich beibehält.



Bisschen Theorie, bisschen Praxis ... hoffe, es gefällt euch 😊



PS: wer es mit dem im Video gezeigten Bild nachmachen möchte --> KLICKE HIER







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Es klingt vielleicht seltsam, aber ja: auch Photoshop selbst ist in der Lage, Videos zu schneiden und zu bearbeiten. Und die Möglichkeiten sind gar nicht mal so schlecht, denn Bildlooks und Effekte lassen sich ganz leicht durch Korrekturebenen und Filter erzeugen. Sogar der Export funktioniert hauseigen. Wie das geht und welche Optionen man hat, das habe ich für euch mal in diesem Video zusammengefasst:







Das Vorschauvideo findest du hier:







Und bevor ich komische Fragen kriege: die Korrekturen waren nur schnelle Beispiele. Selbstverständlich würde ich hier niemals auf volle Sättigung und Dynamik gehen. :D



Viel Spaß beim Nachmachen und Schneiden eurer VLOG's, Naturdokus, Urlaubsvideos und und und ... 😀
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Auf der WWDC 2019 stellte Apple eine neue Möglichkeit vor, wie man dank Sidecar den Bildschirminhalt vom iMac auf ein iPad überträgt. Und inspiriert durch den Artikel von t3n:



"Mit macOS 10.15 Catalina hat Apple jetzt eine eigene kabellose Lösung parat, die der Konzern Sidecar nennt. Die Funktion macht es damit etwa möglich, den Pencil in der macOS-Photoshop-Version auf dem iPad zu verwenden."



wollte ich einfach mal eine weitere Sache vorstellen, wie man kreativ mit Photoshop arbeiten kann. Viel Spaß beim Nachmachen und vielleicht veröffentlichen eurer Werke? ;)







Wofür man das benutzen könnte ...



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@zeit_frei_fotografie Vielen Dank! 🙂
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Beim Durchstreifen meines Bücherregal’s habe ich mein altes Typografiebuch aus der Schulzeit wiedergefunden und war von einem Thema total angetan: die zehn häufigsten Typografie-Fehler.

Weil das Thema meiner Meinung nach sehr spannend ist und jeder, der mindestens mit Photoshop arbeitet auch diese Sachen wissen sollte, dachte ich mir, dass diese hier bestimmt auch Platz finden. Somit präsentiere ich euch den Fehler Nummer 1:

Schriftarten sind sehr vielfältig und in verschiedenen Zeitepochen entstanden, welche später zur Zeit der Digitalisierung mit übernommen wurden. Und je nachdem, in welchem Jahrhundert man sich befand, wurden dem Trend entsprechend ganz eigene Schriften entwickelt.

Wer ein Bild im Stile der 60-er Jahre gestaltet und einen Titeltext hinzufügen möchte, wird sich höchstwahrscheinlich nicht um Schriften bemühen, die in den 2000-ern entstanden sind, sondern um 1960. Denn so treffen Bild- und Schriftstil aufeinander, welche ein harmonisches Duo bilden.

Aber kommen wir erstmal zu einem Negativbeispiel:

Warum ist das Bild ein Negativbeispiel? Die Strukturierung ist gut: es gibt eine klare Hierarchie von groß nach klein, Weißräume schaffen Ruhe, das Auge ist nicht überlastet und die Elemente wurden zusammenhängend publiziert. Dennoch wird man sicherlich nicht ganz warm mit dem Bild und das liegt eindeutig an der Schrift.

Aber wieso ist das eigentlich so ein großes Problem? Wieso wirken die Buchstaben untereinander so abstoßend? Das lässt sich am nächsten Bild genauer erklären:

Jedes Zeichen (Buchstabe, Ziffer, Sonderzeichen...) hat eine eigene Laufweite.Diese ist bei jeder Schriftart verschieden, selbst wenn sich die Stile ähneln. Darum kann sich kein einheitliches Bild entwickeln. Natürlich spielen auch andere Faktoren mit hinein, wie die Buchstabendicke, Zeichenabstand etc., jedoch wird man im Normalfall bei zwei verschiedenen Buchstaben nie automatisch die selben Eigenschaften erzielen. Deshalb ist die richtige Wahl von zum Beispiel einer serifenlosen Schrift auch so wichtig: es wirkt nicht stimmig, wenn drei oder mehr serifenlose Schriftarten in einem Bild aufeinander treffen.

Daher habe ich ein paar Tipps zusammengestellt, wie man das Problem beheben kann:

  • Maximal 2-3 verschiedene Schriftarten verwenden: sicherlich kommt es auf das Medium drauf an. Bei Zeitungen können sicherlich auch mehr Schriftarten in einer Broschüre als Deckblätter genutzt werden, und je nach Thema auch andere Schriftarten einsetzen. Im Normalfall sollte man sich jedoch auf 2-3 Schriftarten beschränken. Worauf hier zu achten ist, beschreibe ich in den nächsten Punkten…
  • Gehört eher mittelmäßig mit rein, ist jedoch auch wichtig: als Schriftschnitt bezeichnet man zum Beispiel Bold (“Fett”) oder Italic (“Kursiv”). Manchmal setzt fette Schrift gute Akzente, jedoch sollte Regular (“Normal”) der Standard sein.
  • Ein guter Mix aus verschiedenen Schriftstilen kann eine Textpassage optisch echt aufwerten. Ich habe ja im ersten Punkt gesagt: höchstens drei verschiedene Schriftarten. Jedoch wirkt es nicht durchdacht, wenn drei serifenlose Schriftarten genutzt werden. Ein guter Mix beinhaltet eine Sans Serif oder Mono Schriftart, Serifen oder Egyptienne und Skript, Fraktur, Hand oder Dekorative Schrift. Diese drei Gruppen haben jeweils einen klaren Unterschied: Sans Serif und Mono wirken geradlinig ohne Spielerei, Serifen und Egyptienne sorgen besonders im Fließtext für eine erhöhte Lesbarkeit und zum Schluss sorgen Skript, Fraktur, Hand und die Dekorative Schrift für einen eher künstlerischen Effekt. Die Frage, die man sich also stellen muss lautet nicht, ob es falsch ist, die Schriftart zu wechseln sondern ab wann welche Schriftart Sinn macht? Und dann heißt es: Konsistenz bewahren. Denn diese drei Schriftarten ziehen sich nun ab sofort durch das gesamte Projekt. Es wirkt einheitlich (auch über verschiedene Ausgaben hinweg) und sorgt für ein stimmiges Ergebnis. Daher ist die Wahl der eigenen Hausschrift auch so wichtig: ein späteres Wechseln ist so schnell nicht mehr möglich.
  • Die Schriftcharakteristik bezeichnet verschieden Zeicheneigenschaften. Ich erzähle sicherlich niemanden was neues wenn ich sage, dass manche Buchstaben von Haus aus dickere Linien besitzen als andere oder die Buchstabenbreite geringfügig variiert. Und genau das ist ausschlaggebend für den letzten Punkt: geringfügige Unterschiede sind nicht schlimm, jedoch sollten die Charakteristiken in jedem Fall erhalten bleiben.

Unter Berücksichtigung der Punkte möchte ich nun erstmal mein Bild präsentieren, wie dieses mit gerade mal zwei Schriftarten ein besseres Ergebnis erzielt:

Die Überschrift wurde erstellt mit Myriad Pro. Serifenlose Schriften haben die Eigenschaft, keine so hohe Lesbarkeit zu haben wie eine Serifenschrift, jedoch ist diese als Schmuckschrift ebenso benutzbar. Sie wirkt sauber klar, muss durch den Betrachter nicht entziffert werden und gibt die Struktur für das Bild vor. Die Teilüberschrift, der Fließtext und die Bildbeschreibung sind allesamt in Adobe Garamond Pro entstanden: einer, wie ich finde, wunderbaren Serifenschrift. Die Kombination Teilüberschrift und Fließtext wirkt stimmig, was eine gewisse Verbundenheit ausdrückt. Zusätzlich ergänzt das Bild den Text und der Text das Bild. Es gibt eine gewisse Harmonie untereinander. Keine Spannung, kein Knistern oder Unruhe. Und genau das wollen wir mit so einem Bild erzeugen: ruhiges Lesen dank optimaler Typographie.

Mein Bild hat nur ein Problem: der Fließtext und das Bild wirken wie eine Art Blockprinzip. Das heißt: sind zu viele rechteckige Elemente auf einem Bild, kann es schnell statisch und langweilig wirken. Bei einigen Bildern ist es gut, bei einigen schlecht. Um dem ein wenig entgegen zu wirken habe ich das Bild in den rechten Anschnitt geschoben - so scheint es weniger deplatziert, sondern gewollt gesetzt. Nachteil ist, dass die weiße Fläche wie ein “C” aussieht. Darum kann es Sinn machen, einfach mal das Bild als Hintergrund zu verwenden und den Text entsprechend daran auszurichten:

Was einem besser gefällt, muss man selbst entscheiden. Jedoch sorge ich durch den subtilen Einsatz von Schriftarten, einer klaren Hierarchie und durchdachten Strukturierung für ein stimmiges Endergebnis. Und das ist es doch gerade, worauf es ankommt… nicht wahr?

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