MXP-Heiko

[Testbericht] Pixel. Phone by Google

Blog-Eintrag wurde erstellt von MXP-Heiko Experte in 22.04.2017

Jeder da draußen wird wohl im letzten halben Jahr mit Werbung von Google für das Pixel in Kontakt gekommen sein. Das erste Smartphone mit dem Google-Branding welches zugleich offensiv dem Konsumenten nahegelegt wurde. Aber was hat es damit eigentlich auf sich?

 

Holt euch einen Kaffee und einen Snack, nehmt euch ein wenig Zeit und geht mit mir auf die Reise.

 

Einführung in die Geschichte - Über AOSP, Nexus, Pixel und die Android Nerds.

 

Wer sich nur für den Smartphone Test interessiert, bitte direkt zum nächsten Kapitel springen ;)

 

In vergangenen Jahren hatte Google noch die Nexus Produktreihe im Angebot, diese allerdings nie in der breiten Öffentlichkeit vermehrt mit Werbung angepriesen, sondern als Nischenprodukt den Nerds überlassen, vor allem hier in Deutschland. Die Nexus Reihe hatte ein einfaches Rezept: Man nehme einen Hardwarepartner der das Gerät fertigt und Google spielt die Android Version nach ihren Vorstellungen ein und fertig ist das Vorzeigegerät im Punkto aktueller Software, nicht zwingend mit aktueller Hardware.

 

Ende letzten Jahres hat man das Nexus Projekt zu Grabe getragen und das erste Smartphone unter den Namen Pixel (und Pixel XL) vorgestellt. Hierbei steht Google direkt für das ganze Produkt mit seinem Namen ein und der Hardwarepartner taucht überhaupt nicht mehr auf. In diesem Fall ist es als Auftragsfertiger HTC, aber ihr Logo ist nicht auf dem Gerät zu entdecken.

 

Historisch betrachtet hat die Nexus Reihe meiner Meinung nach drei wichtige Punkte ausgemacht, deren Entwicklung ich vor dem eigentlichen Testbericht vorstellen möchte.

 

  1. AOSP vs OEM-Skins vs Google:
    Vielleicht habt ihr schon mal davon gehört, dass Google alle Rechte an Android gehören und auch dessen Entwicklung maßgeblich leitet, aber der Kern des Ganzen heißt eigentlich “Android Open Source Project” (AOSP), was wiederum bedeutet, dass die Software grundsätzlich frei verfügbar ist und jeder Hersteller damit auch gewisse Änderungen vornehmen kann.
    In der Praxis bedeutet dies, dass seit dem wir Android Smartphones am Markt sehen die verschiedenen Hersteller immer an der Oberfläche Änderungen vornehmen um Aussehen und Funktionsumfang zu individualisieren, damit der Kunde sich mit seinem Samsung, Sony, HTC, usw. entsprechend identifizieren kann und die Geräte am Markt differenziert werden können. Die von mir angeführten “Android-Nerds” da draußen, also Menschen die auch jede Google Keynote schauen und täglich Blog-Postings über neue Android Updates lesen (ich bekenne mich schuldig), waren darüber aber meist gar nicht glücklich. Denn dann zeigt Google wie die neue Version aussehen soll und wenn mein Hersteller-Gerät dann das Update bekommt, sehe ich von den Änderungen einfach nichts. Zudem dauern die Updates bei den Herstellern viel länger, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass all die Änderungen der Hersteller nach jedem Update seitens Google erst wieder implementiert werden müssen. Ein elendiger Prozess, den viele der Nerds gerne nicht sehen würden.
    Und genau hier war die Stunde der Nexus Reihe gekommen, denn ohne einen Hersteller dazwischen zu schalten, konnten neue Android Updates direkt von Google kommen. Welch eine Freude für die Nerds!
    Beim Pixel geht Google nun aber noch einen etwas anderen Weg, denn neben den neuesten Android Updates, bietet nun Google selbst exklusive Features zuerst nur für das Pixel an und gibt diese nicht direkt durch das AOSP an alle Hersteller weiter. Eine wundersame Entwicklung, die wir weiter beobachten müssen.

  2. Preispolitik:
    Die Nexus Reihe wurde zu Beginn reichlich gefeiert, weil die Geräte mit einem sagenhaften Preis-Leistungsgefüge an den Start gegangen sind. Über die Jahre zeichnete sich hier allerdings der Trend ab, dass Google diese Maßgabe nicht unbedingt wichtig ist, denn das Nexus 6 war bereits mit einer UVP > 600€ veranschlagt und im Folgejahr (dem letzten Nexus Jahr) wurde ein Kompromiss geschlossen mit dem hochpreisigen Nexus 6p und dem günstigeren Nexus 5x, welches aber auch deutlich schlechtere Hardware mit sich brachte.
    Beim Pixel und Pixel XL wird hingegen in beiden Modellen fast die komplett gleiche Premiumhardware aufgefahren, dafür werden aber auch Spitzenpreise aufgerufen. Details dazu kommen weiter unten, aber die Zeiten vom günstigen Nexus sind definitiv vorbei. Google hat dafür natürlich noch die sehr günstige Android One Serie im Angebot, welche allerdings für Entwicklungsländer gedacht ist und in Deutschland nicht zur Verfügung steht.

  3. Hardware so lala, Kamera oh-wei
    Ungefähr so sah der ein oder andere Nexus Testbericht der Vergangenheit aus. Die Geräte punkteten ganz klar über die sehr starke Software und waren bei der Hardware oder auch der Gehäusebeschaffenheit teilweise nicht gerade auf der Höhe der Zeit mit dem was die Hersteller in ihren Flaggschiffen so zeigen konnten. Aber gerade das Thema Kamera war eigentlich eine sichere Bank, in dem Sinne, dass sie sicher den Käufer enttäuschte und man nicht bei den Top-Kameras mitspielen konnte.
    Ich will nicht den ganzen Test vorweg nehmen, aber hier hat Google richtig aufgefahren und immerhin bei der Vorstellung mit der bis dahin am besten getesteten Smartphone Kamera der Welt geworben.

 

Genug zur Historie, auf zu den Neuigkeiten rund um das Pixel (2016).

 

Mein Testgerät und was es im Google Store sonst noch so gäbe, inklusive der Preise.

Pixel Forderseite

Meine hier beschriebenen Erfahrungen beruhen auf einem Pixel (5” Display), die Farbe ist Silber, 32 GB Speicher und die UVP liegt im Google Store bei 759€. 

 

Zur Auswahl steht des Weiteren das Pixel XL (5,5” Display), welches bei 32 GB Speicher 899€ kostet. (Erster Pixel XL Testbericht im o2 Forum)

 

Für jeweils 110€ Aufpreis sind die Geräte theoretisch auch als 128 GB Varianten erhältlich. Es sei aber erwähnt, dass seit mehreren Wochen die 128 GB Modelle mit beiden Displaygrößen praktisch nicht lieferbar sind, es bleibt abzuwarten wie sich diese Front entwickelt.

 

Es gibt beide Modelle auch in Schwarz. Falls ihr mal Bilder von einem blauen Pixel gesehen habt, bitte wieder vergessen, gibt es bisher nicht in Deutschland und eine Einführung ist auch nicht angekündigt.

 

Wer sich mit dem Preisgefüge ein bisschen auskennt, dem fällt vielleicht auf, dass Google das Pixel exakt auf einem Niveau mit den aktuellen iPhone Modellen angesetzt hat. Übrigens in allen Ländern, egal ob in €, $ oder £. Hier steht wohl eine klare Strategie dahinter und keine tatsächliche Kostenkalkulation. Das Pixel soll ganz klar bisherige iPhone Käufer ins Android Lager holen. Wer bisher auf günstigere Android Geräte gesetzt hat, ist nicht unbedingt in der Pixel Zielgruppe!

 

Lieferumfang - Mehr USB Zubehör - keine Kopfhörer.

 

Die kleine Bombe zuerst, das Pixel ist ein richtig teures Smartphone und trotzdem liegen dem Gerät in Deutschland keine Kopfhörer bei. Ihr müsst euch keine Sorgen machen, dass liegt nicht am Fehlen eines 3,5mm Klinkenanschlusses, sondern Google hat es einfach nicht für nötig erachtet. Mir persönlich ist es auch tatsächlich egal, da ich ungefähr noch 12 Paar Kopfhörer habe und eigentlich eh ein besseres Paar bevorzuge als die üblicherweise im Lieferumfang beigefügten, aber es soll nicht unerwähnt bleiben.

 

Der eingefügte Screenshot stammt von der offiziellen Pixel Hilfe Website und zeigt euch kurz und knapp die wichtigsten Dinge.

 

Zu beachten ist hierbei, dass es ein USB Type-C-Ladegerät ist, also der Ausgang am Ladestecker selbst direkt USB Type-C ist. Das zusätzlich beigefügte USB Type-A zu USB Type-C Kabel ist für die Verbindung mit einem Computer oder eben einem älteren Ladegerät gedacht, wo ihr aktuell wahrscheinlich noch keine USB Type-C Ausgänge zur Verfügung habt.

 

Des Weiteren wurde noch der oben genannte Quick Switch Adapter beigelegt. Es handelt sich dabei um einen Stecker mit USB Type-A Buchse und USB Type-C Stecker. Ihr steckt diesen Adapter also in das Pixel hinein und könnt dann euer altes Smartphone mit dem alten Datenkabel anschließen, egal welchen Anschluss das vorherige Geräte hatte, was in den meisten Fällen wohl Micro-USB Type-B oder Lightning bedeuten dürfte. Auch hier zeigt sich, dass Google mit dem Pixel maßgeblich darauf zielt, ehemalige iPhone Käufer für sich zu gewinnen.

 

Neben dem üblichen Papierkram (Anleitung, Garantie, usw.) liegt auch noch ein Hinweis bei, dass Käufer des Google Pixel für drei Monate gratis den Premium Zugang zu Google Play Music erhalten. Hierfür ist allerdings kein Gutscheincode notwendig, sondern beim Starten der App wird euch das Angebot direkt digital präsentiert und gutgeschrieben. Service-Hinweis von mir, ohne Kündigung werdet ihr nach den drei kostenlosen Monaten automatisch zum zahlenden Kunden für 9,99€ im Monat, also aufgepasst und im Kalender markiert!

 

Design, Verarbeitung und das Äußere - zwischen langweilig, OMG and WTF!

Pixel Seitenansicht mit SIM Einschub

Die Front des neuen iPhones Pixel sieht aus wie die eines iPhones. Dass ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die von ungefähr jedem dem ich das Gerät gezeigt habe. Auf den zweiten Blick fällt dann vielleicht doch der fehlende Homebutton auf, aber solch große Trümmerränder oben und unten findet man sonst heutzutage eigentlich nicht mehr vor.

 

Die Rückseite hingegen hat ihren eigenen Charakter und wie soll ich's sagen, sie ist … interessant … und es kommt eigentlich auch mehr auf die innere Werte an, nicht wahr

 

Probieren wir es jetzt noch mal etwas sachlicher und lassen das Design Geschmackssache sein. Die Rückseite ist ca. zu zwei Dritteln aus Metall und das obere Drittel ist aus Glas, laut Aussage von Google um bessere Werte für darunter befindliche Funktechniken zu erzielen. Im Glasabschnitt findet sich auch der Fingerabdruckleser wieder, der immerhin beim kleinen Pixel für mich auf der richtigen Höhe sitzt um ihn sicher blind zu finden und der auch zuverlässig und zügig seine Arbeit verrichtet.

Neben den üblichen Sensoren und einem Doppel-LED-Blitz ist auf der Rückseite selbstverständlich auch die Hauptkamera zu finden. Google hat sich beim Pixel eines besonderen Designkniffes bedient und das Gerät von unten nach oben etwas dicker werden lassen (siehe Bild oben), somit gibt es keinen störenden Kamerahügel sondern die Linse sitzt komplett flach in der Rückseite. Ich finde dieses Design perfekt, denn das Handy liegt schön flach auf dem Tisch und dass das obere Ende etwas dicker ist, störte mich in keiner Situation.

 

Auf der rechten Seite findet ihr die Lautstärkewippe und darüber den Powerbutton, welcher zusätzlich eine geriffelte Oberfläche hat um ihn besser ertastbar zu machen. Die Knöpfe sind alle sehr wertig gefertigt, sitzen auf der glatten Seite des in beide Richtungen abgerundeten Rahmens und lassen sich problemlos blind bedienen, hier stimmt das Premiumgefühl. Auf der gegenüberliegenden Seite ist der Einschub für die Nano-SIM, keine Speicherkarten. Dieser Einschub sieht ein wenig so aus als ob er minimal zu tief im Gehäuse wäre, aber das ist vielleicht nur eine optische Täuschung.

 

An der Oberseite sitzt die klassische Kopfhörerbuchse, an der Unterseite sehr ihr in perfekter Symmetrie mittig den USB Type-C Anschluss und zwei Ausfräsungen für Lautsprecher. ABER, bewusst ganz groß geschrieben, liegt hier eine optische Täuschung vor. Denn es ist nur ein Lautsprecher verbaut und hinter der anderen Ausbuchtung liegt nur ein Mikrofon. Eine Zeichnung welche euch nochmals alle Teile des Pixel zeigt (Lautsprecher ist Nr. 9) seht ihr direkt bei Google.


Hardware - Alles was man braucht, also fast, also vielleicht auch nicht.

Das komplette Specsheet habe ich euch verlinkt, aber die wichtigsten Punkte gehen wir eben gemeinsam durch.

 

Snapdragon 821 Prozessor und 4 GB RAM, dass bedeutet es ist die zweite Revision des 14nm (Nanometer) Verfahrens. Im Vergleich zum 820er der in vielen anderen Flaggschiffen aus dem Jahre 2016 saß konnte man hier die Performance mit weniger Energieaufwand und damit entstehenden Hitze kontrollieren, definitiv ein high end Prozessor der euch vor keinerlei Probleme stellt. Da die Industrie immer weiter marschiert wird aktuell in den neuesten Flaggschiffen bereits der Snapdragon 835 mit 10nm angeboten, dass sollte aber niemand vom Kauf es Pixel abhalten. Alle von mir getesteten Anwendungen, Spiele und auch VR liefen super flüssig durch und die Ladezeiten für Apps sind sehr gering. Ich denke hier spielt die von Google optimierte Software allerdings die größte Rolle, denn den gleichen Prozessor gibt es auch in weniger perfekt laufenden Smartphones.

 

Rechenpower ist also genug vorhanden.

 

Als Display kommt beim Pixel ein 5” AMOLED Panel mit einer Auflösung von 1920 x 1080 (FHD) zum Einsatz, beim Pixel XL erwartet euch hingegen ein 5,5” AMOLED Panel mit 2560 x 1440 (QHD) als Auflösung. FHD ist eine gute Auflösung und bei 5” dicke ausreichend, zudem schont es den Akku wenn weniger Bildpunkte berechnet werden müssen.
Ich bin mit dem Display sehr zufrieden und es ist ausreichend scharf, die Farben kommen gut rüber und auch die Helligkeit kann soweit überzeugen. Da es bisher noch kein Sommer ist, will ich mich aber beim Thema Ablesbarkeit unter Sonnenlicht nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Nur beim Thema VR geht mir das Display mit seiner FHD Auflösung zu sehr an seine Grenzen, denn hier kann ich spielend die Pixel zählen und dass macht dann doch etwas weniger Freude. Falls also das Thema VR für euch sehr wichtig ist, sollte man doch eher über das Pixel XL nachdenken.

 

Beim Speicher könnt ihr wie bereits eingangs erwähnt zwischen 32 GB oder 128 GB (falls es jemals wieder verfügbar wird) wählen. Der Speicher ist nicht erweiterbar per SD Karte, da Google eure Daten lieber in der Cloud sehen möchte. Um das zu erleichtern dürft ihr alle Videos und Fotos die ihr mit dem Pixel erstellt kostenfrei in voller Qualität bei Google Fotos hochladen. Wer viele 4k Videos machen will wird die 32 GB Version schnell ausreizen, für andere reicht es ewig aus, ist immer schwierig zu beurteilen.

 

Interessant ist sicherlich noch folgendes, von den offiziellen 32 GB Speicher habt ihr tatsächlich 29,7 GB zur Verfügung. Leider ist es ja immer so, dass die Hersteller eine Speichergröße bewerben, die irreführend ist, da sie die Systempartition nun mal von diesem Speicher abziehen und euch nicht freigeben. Wer sich mit diesen Werten nicht auskennt, dem sei nur verraten, dass bei den erstens Tests des neuen Samsung Galaxy S8 bei der 64GB Version nur ca. 50GB für den User frei waren. Das Google Betriebssystem belegt also gerade einmal 2,3GB wobei Samsung inklusiver vorinstallierter Apps auf 15 GB belegten Speicher geht (Unfassbar!).

 

Zwischenfazit: System belegt wenig Speicher, aber ob euch 30 GB reichen muss jeder selber wissen. Ich hab aktuell 21,5 GB belegt und das nach wenigen Wochen, ich lade allerdings auch immer offline Maps für BeNeLux und Österreich auf meine Geräte. So verschieden sind wir doch ;)

 

Das Pixel kommt mit einem 2,770 mAh starken Akku daher und das Pixel XL beherbergt einen 3,450 mAh großen Akku. Ob man mit dem Pixel XL nun weiter kommt hängt ein wenig davon ab, wie viel ihr das Display nutzt, denn hier muss wie beschrieben die höhere Auflösung und mehr Displayfläche befeuert werden.
Ansonsten muss jeder selbst schauen wie er mit dem Akku auskommt, für mich war ein Tag oftmals machbar, allerdings habe ich wenn der Abend etwas länger werden sollte auch gerne von der Schnellladefunktion Gebrauch gemacht und schnell noch mal den halben Akku in 30 Minuten wieder vollgemacht um sorgenfrei zu sein.

 

Was fehlt denn hier bei den technischen Daten noch, warum hab ich in der Überschrift nur gemeckert? Achja, neben dem fehlenden SD-Kartenslot sorgte auch die nicht vorhanden IP-Zertifizierung für einen Aufschrei am Markt. Den Schuh muss sich Google leider anziehen lassen, denn wer 2016 ein hochpreisiges Flaggschiff an den Markt bringt, der hätte dieses ruhig wasserdicht auslegen können. Ein Statement dazu gab es übrigens von Google auch, man habe schlichtweg bei der Entwicklung des Gerätes zu wenig Zeit gehabt, da man eigentlich erst mit Huawei arbeiten wollte und dann noch zu HTC wechseln musste, fiel dieses Feature am Ende dem Termindruck zum Opfer. Wem dies also besonders wichtig ist, der sollte wohl auf das Pixel 2 warten oder sich anderweitig am Markt umsehen.

 

Kamera - “Die am besten bewertete Smartphone-Kamera”

 

Mit nicht weniger als dem Zitat aus der Überschrift ist Google in die Präsentation des Pixel gestartet. Man hat sich mit den Kamera Experten von www.dxomark.com bereits vor Release des Smartphones zusammengesetzt und den üblichen Smartphone Test beauftragt und erntete das damals höchste Rating. Das damals höchste Rating habe ich gerade (13.04.2017) noch mal geprüft und durfte feststellen, es ist immer noch das höchste Rating. Kein anderes Smartphone wird mit 89 oder mehr Punkten geführt. Ihr seht im nebenstehenden Screenshot ein paar bekannte Vertreter aufgelistet. Es sei aber erwähnt, dass hier auch ein paar Geräte fehlen, die einfach noch nicht getestet wurden (iPhone 7+, LG G6, Galaxy S8).

 

Statistisch gesehen werden viele von euch selber ein Samsung Galaxy S7 oder Apple iPhone 7 besitzen oder im direkten Umfeld eins zur Verfügung haben. Diese Geräte machen alle hervorragende Bilder und somit sollte jedem klar sein, dass 1 - 3 Punkte in dem hier aufgeführten Scoring keinen weltbewegenden Unterschied ausmachen.

 

Wer allerdings das Eingangskapitel meines Beitrages gelesene hat, der weiß, dass Google mit den Nexus Reihe sehr viel Kritik für seine Kameras einstecken musste. Daher war es für Google extrem wichtig beim Pixel keine Diskussionen aufkommen zu lassen sondern direkt vom Start weg eine top Bewertung als Vorschusslorbeere präsentieren zu können.

 

Ich verlinke hier via Google Fotos ein paar Bilder in voller Qualität:

Ostern mit dem Pixel, Bilder bei Tageslicht und Bewölkung

Brüssel bei Nacht inkl. Panorama und 360° Photo

 

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Kamera ist noch die Bildstabilisierung. Hier gab es einen großen Wirbel als das Pixel präsentiert wurde. Eigentlich war sich die Presse einig, wenn ein Smartphone im Kamerasegment punkten will, dann muss es optische Bildstabilisierung (OIS, optical image stabilization) bieten. Google liefert im Pixel aber elektronische Bildstabilisierung (EIS, electronic image stabilization) und zog damit im ersten Moment Unverständnis auf sich. Doch dann positionierte Google sich so, dass EIS sogar überlegen sei, denn man habe die Technik so stark optimiert und einen eigenen Chip dafür eingesetzt der ständig alle Sensoren überwacht und so ununterbrochen den Bildausschnitt neu berechnet, dass eine optische Stabilisierung mit beweglichen Linsen unnötig sei. Von der technischen Seite her bedeutet dies natürlich, dass ein Teil des Sensors immer “abgeschnitten” wird, dies ist in meinen Test allerdings nie problematisch gewesen.

 

Es ergeben sich übrigens folgende mögliche Auflösungen für euch: 12,3 Megapixel bei 4:3 Seitenverhältnis oder 8,3 MP bei 16:9. Videos sind in 4k möglich und das Pixel bricht hier auch nicht nach wenigen Minuten die Aufnahme ab weil es überhitzt oder ähnliches.

 

Zwei kurze 4k Testvideos mit eingeschalteter elektronischer Bildstabilisierung.

 

Das Kamerainterface ist insgesamt ehert schlicht gehalten und stellt nur das wesentlichste zur Verfügung. Für mich völlig ausreichend und intuitiv zugleich.

 

Zwei kleiner Tipps noch am Rande, auf Wunsch öffnet man die Kamera jederzeit mit einem doppelten Druck auf den Powerbutton und man kann in den Kamerasettings die Kamera stumm schalten. Wieder ein Feature wo man sich fragt, warum manche Hersteller es extra entfernen.

 

Ein nettes Software-Feature innerhalb der Kamera ist noch der Burstshot. Hierbei haltet ihr den Auslöser gedrückt und die Kamera macht eine Serie von Bildern und bietet euch nachträglich direkt das Beste dieser Bilder an. Funktionierte bei mir sehr gut und gerade bei sich bewegenden Objekten hat man so eine viel bessere Chance auf ein tolles Bild. Man kann übrigens nachträglich die Auswahl auch händisch durchgehen.

 

Sehr überzeugend ist auch die Auto-HDR Funktion. Hierbei werden eure Bilder nachträglich anders belichtet durch das aufrechnen mehrerer Einzelbilder. Diese Funktion verzögert allerdings die Auslösung bei vielen Geräten doch sehr, weshalb viele Leute die Funktion lieber abschalten. Das Pixel nimmt die Bilder allerdings wahnsinnig schnell auf und berechnet den Rest dann einfach erst später, dadurch könnt ihr mit dieser Funktion immer munter weiter knipsen und die Ergebnisse sind nachher trotzdem super belichtet, wirklich klasse gelöst für den einfachen Hobby-Knipser der im Alltag ohne an den Einstellungen zu spielen nur drauf halten und knipsen will.

Software - Pure Google Heaven

Ich schreibe diesen Bericht mit dem aktuellen Sofwarestand von Android 7.1.2, Sicherheitsupdate 5. April 2017 und die konkrete Build-Nummer ist N2G47E.
Es gäbe aktuell für das Pixel auch schon die erste Developer-Preview für Android O, diese ist aber ausdrücklich nicht für den täglichen Gebrauch empfohlen und nicht Teil dieses Berichtes.

 

Wenn ihr tief im Google Kosmos zu Hause seid, so wie ich das bin, dann ist so ein Pixel direkt aus dem Google Store einfach eine Wohltat für euch. Es sind keine zusätzlichen Apps von irgendwelchen Drittanbieter vorinstalliert, sondern nur die Apps von Google. Die mögen den ein oder anderen von euch vielleicht auch stören, aber für mich sind sie alle gern gesehen Gäste (selbst Allo und Duo ).

 

Jeder wird das kennen, wenn er ein Smartphone eingerichtet hat und dann bemerkt, dass direkt ab Werk schon zwei Galerie-Apps, zwei Internetbrowser oder plötzlich zwei Kalender-Apps vorhanden sind, das ist einfach nur schrecklich.

 

Beim Pixel bin ich direkt zu Hause mit meinem geliebten Google Kalender, Google Fotos, Chrome, GBoard, usw. Die nicht vorhandene Bloatware belegt somit auch keinen Speicher, erzeugt keine unnötigen Hintergrundprozesse und sichert mir einen steten Strom von Updates direkt durch den Google Play Store zu. Ich bin damit sehr glücklich.

 

Die Performance die diese Software erzeugt ist zudem einfach so, wie sie bei einem Flaggschiff zu sein hat. Die Kamera startet schnell, jedes Mal, hundertprozentig zuverlässig. Das drücken des Multitasking Buttons bringt euch direkt in die Übersicht der zuletzt genutzten Apps ohne zu zögern, eine Aufgabe bei der jedes Samsung Gerät in der Vergangenheit leider regelmäßig schwer ins Stocken geriet.

 

Jedes Feature von Stock Android hier zu erklären würde natürlich jeden Rahmen sprengen, also beschränke ich mich auf die wenigen Dinge, die ich in meinem Alltag wirklich bemerke.

 

Der Pixel Launcher, also eure Homescreen den ihr standardmäßig zu Gesicht bekommt ist eine Weiterentwicklung des vorher angebotenen Google Now Launchers, der aber eine sehr entscheidende Änderung mit sich brachte. Man hat das lange Jahre vorherrschende Konzept des App-Drawers (Übersicht aller Apps) verändert. Genauer gesagt hat man den Zugang dazu geändert, sodass dies nicht mehr über ein eigenes Icon erfolgt, sondern man die unterste Zeile auf dem Homescreen (“dock” genannt) nach oben schiebt und somit den App-Drawer aufzieht. Alternativ könnt ihr auch auf die kleine Pfeilspitze drücken die über dem Dock nach oben zeigt, somit fährt auch der Drawer auf. Solltet ihr auf die Pfeilspitze länger drauf drücken, springt ihr direkt in die App-Suche, was ganz praktisch sein kann, wenn ihr sehr viele Apps nutzt.
Der Pixel Launcher hat außerdem die App-Shortcuts mit sich gebracht, hierbei gibt ein Longpress auf ein App Icon direkt bis zu vier Auswahlmöglichkeiten um direkt in einen bestimmten Bereich der App zu springen oder Beispielsweise bei der Telefon App direkt einen der letzten Kontakte erneut anzurufen. Diese Shortcuts können bei Bedarf auch direkt auf den Homescreen gezogen werden, wenn man diese öfter braucht. Mein persönlicher Favorit dabei ist die direkte Verknüpfung der “Meine Apps” Seite des Play Stores, für alle Update Junkies ein Muss. Einen Nachteil will ich aber direkt noch anführen, denn das Ganze ist echt ein Feature für die experimentierfreudigen unter uns. Es gibt keinen optischen Hinweis ob eine App über diese Shortcuts verfügt oder nicht, ihr müsst also munter drauf los probieren um diese Möglichkeiten zu erkunden.
Neu sind zudem die runden App Icons welche Google immerhin für seine eigenen Apps mehrheitlich bereitstellt. Auch andere Entwickler können ihre App Icons in einer beliebigen Form und zusätzlich einer runden Form in ihren Apps hinterlegen. Der Pixel Launcher wird dann jeweils das Runde Icon bevorzugen um ein einheitliches Bild zu erzielen. Dafür müssten alle möglichen Entwickler mitziehen, was natürlich nicht passiert. So viel sei verraten, mehr zu diesem Projekt gibt es mit wahrscheinlich mit Android O!

 

Eine Geste zum herunterwischen der Benachrichtigungsleiste ist ebenfalls neu hinzugekommen, auch wenn man diese von anderen Herstellern wie Huawei schon kannte. Man wischt dazu mit dem Finger über den rückseitigen Fingerabdruckscanner und bekommt somit die Benachrichtigungsleiste erweitert ohne dass man bis zum obersten Bildschirmrand fassen muss. Ich hab mich daran gewöhnt und nutze es gerne.

Der Lockscreen bietet euch auf Wunsch ständig die Uhrzeit, das Datum und den nächsten Alarm an (leider wird diese wichtige Information von vielen Herstellern extra aus dem Betriebssystem entfernt, wie d*** kann man denn sein!). Eingehende Benachrichtigungen stehen zur Übersicht bereit und es  kann mittels Wischgesten wie gewohnt interagiert werden (wegwischen, ausklappen). Durch double-tap-to-wake ist das Display auch immer ansprechbar für euch.

Die Multitasking Taste hat zwei wichtige Tricks gelernt, nämlich ein Doppeltes drücken wechselt direkt zwischen der aktuellen und zuletzt genutzte App hin und her. Super praktisch wenn ihr gerade etwas lest und parallel in einem Chat seid. So tappt man einfach mal schnell hin und her und spart sich die Auswahl aus der Multitasking Liste. Ich nutze dieses Feature auf jeden Fall deutlich mehr als den ebenso neuen Splitscreen, bei dem ihr zwei Apps gleichzeitig angezeigt bekommt. Hierfür wird die Multitasking Taste gedrückt gehalten und ihr bekommt den Splitscreen angeboten und könnt eine zweite App parallel zur ersten öffnen. Die kleine Trennmarkierung könnt ihr auch verschieben wenn euch das 50:50 Verhältnis nicht passt. Für mich ist der Bildschirm des Smartphones doch eher zu klein um hier eine sinnvolle Anwendung zu kreieren. Insbesondere bei allen Anwendungen wo die Tastatur aufgerufen wird, ist der Spaß sofort vorbei.

 

Nachtlicht, bei manchen Herstellern auch Blaulichtfilter genannt, ist eine Funktion die auf Wunsch abends oder auch immer das Farbspektrum eures Displays verändert, sodass der blaue Anteil reduziert ist. Forschungen haben ergeben, dass dieses blaue Licht euch vom Schlafen abhält, daher möchte man es vielleicht in der Nacht vermeiden. Es kann manuell eingeschaltet werden, oder man kann diesen Filter auch automatisch an die Sonnenauf- und -untergangszeiten programmieren.
Ich persönlich habe diese Funktion beim Pixel erstmalig ausprobiert und bin damit sehr glücklich geworden. Das Display wirkt im ersten Moment etwas gelbstichig, aber für mich waren die Augen dadurch spürbar entspannter am Abend und Morgen. Es ist daher trotz ungewohnter Optik wohl ein gutes Feature.

Google Assistent - Exklusiv für Pixel - Es war einmal...

Als Launch-Feature wurde der Google Assistent als das ganz große Ding gefeiert, welches vorerst nur auf dem Pixel zu haben war. Immerhin für uns hier in Deutschland, wo es ja bis heute noch kein Google Home gibt und insofern wir den @google Bot innerhalb von Google Allo außen vor lassen.

 

Inzwischen hat Google den Assistent auch zugänglich gemacht für weitere Geräte, so erscheinen aktuelle Flaggschiffe wie das LG G6 oder das Samsung Galaxy S8 direkt mit dem Google Assistent, man kann es aber auch auf alten Geräten per Update erhalten. (Falls es bei euch noch nicht soweit ist, einfach mal Systemsprache auf Englisch stellen, Google App öffnen, falls der Assistent dann aktiviert wurde, kann man zurück auf Deutsch wechseln). Für alle User einer Android Wear Smartwatch mit dem 2.0 Update steht er ebenso zur Verfügung.

 

Zurück zum Google Assistent auf dem Pixel. Durch “Ok Google” Sprachbefehl oder langes drücken des virtuellen Homebuttons aktiviert ihr jederzeit den Google Assistent auf eurem Smartphone. Beim Longpress wird euer Bildschirm auf Wunsch nach Informationen durchsucht (früher bekannt als “Now on Tap”), es kann aber auch so einfach nur schnell ein Screenshot erstellt und geteilt werden, das ist etwas komfortabler als irgendwelche sonstigen Tastenkombinationen (beim Pixel: Power & Leiser gedrückt halten).

 

Der Google Assistent nimmt von euch allerdings keine Texteingaben entgegen, also erfolgt die übliche Interaktion per Sprache. Hier versteht mich der Assistent meiner Erfahrung nach sehr gut im Allgemeinen und kann tatsächlich genutzt werden. Ob eure Anfragen zu gewünschten Ergebnissen führen, wenn es komplexer wird als “Timer 5 Minuten”, ist allerdings weiterhin eine sehr gemischte Erfahrung.

 

Zu bedenken gebe ich hier, dass ein Produkt wie der Google Assistent ununterbrochen von Google im Hintergrund durch serverseitige Updates verändert wird und eure Erfahrungen mit dieser App dadurch auch von Woche zu Woche verschieden sein können und die Leistungen die erzielt werden in jedem Land andere sind, da die verknüpften Partner Dienstleistungen immer andere sind.

 

Richtig stark sind die Interaktionen mit externen Gadgets wie Chromecast oder Hue Lights, welche ich leider nicht testen konnte, hier darf sich also gerne jemand anders zu Wort melden, der auf irgendeinem Gadget den Google Assistent und weiteres Zubehör nutzt.

 

Es sei abschließend noch bemerkt, dass ihr trotzdem noch die alte Google Sprachsuche nutzen könnt. Wer die Google App öffnet und dort seinen Google Now Feed betrachtet hat oben weiterhin das Mikrofon-Icon welches zur altbekannten Spracheingabe führt. Diese kann an mancher Stelle ganz andere Antworten bieten als der Google Assistent.

 

Pixel Support - und smart switch - keine Erfahrungswerte gesammelt - sorry

 

Es sei kurz erwähnt, dass ihr im Pixel Menü direkt einen eigenen Reiter habt um kostenfrei mit dem Support zu telefonieren oder zu chatten. Dies wird in Deutschland aktuell angeboten von Mo. - Fr. zwischen 9 und 21 Uhr sowie am Wochenende von 10 bis 18 Uhr. Ich hatte einfach keinerlei Fragen und mir war es zu blöd den Support mit einer fingierten Anfrage zu testen. In den USA ist dieser Service übrigens 24/7 geschaltet, mal abwarten wohin die Reise hier führt. Es ist sicherlich ein großer Fortschritt, denn bisher hatte Google eben den Ruf genau keinen Support zu bieten.

 

Das zweite nicht getestete Feature ist die Datenübertragung zwischen eurem alten und neuen Smartphone. Man kann sie wie eingangs erwähnt mit einem extra Adapter verbinden und eine App hilft euch bei der Datenübertragung. Es wäre sicherlich ganz cool wenn mal jemand mit einem iPhone das testet, aber für mich war das nichts.
Um ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern, ich wechsle meine Handys seit mehreren Jahren am laufenden Band mehrmals im Jahr und habe daher einen sehr standardisierten Ablauf, nämlich niemals Backups zu benutzen und immer alle Apps neu zu installieren. Alle meine Daten sind über die “Cloud” verfügbar und Apps die nicht online sichern können, kommen mir erst gar nicht auf meine Geräte. Daher ist für mich ein Gerätewechsel eh schnell passiert und der Test hat sich nicht angeboten.

 

Fazit - A M A Z I N G

Okay, der Preis ist hoch, Rabatte und Preisverfall sind nicht in Sicht, da muss man durch wenn man ein Pixel haben will. Das Pixel tritt ganz klar an um das beste (Android)Smartphone zu sein und nichts weniger, daher muss man auch hohe Preise zahlen.

 

Wie erwähnt ist das äußerliche des Gerätes nicht sonderlich spannend, dem einen gefällt es, dem anderen nicht.

 

Das Innere, damit ist Hard- und Software gemeint, wird euch einfach ein wohliges und unaufgeregtes Gefühl der Zufriedenheit bescheren, weil die Kiste sehr zuverlässig seine Arbeit verrichtet, nicht stottert, eine Kamera mitbringt auf die immer verlass ist, man locker drauf los knipst und später tolle Fotos hat.

 

Speicher ist nicht erweiterbar und es ist nicht wasserdicht, müsst ihr bedenken, auch hier gilt, für manche ist es damit ein no-go, andere interessiert es nicht.

 

Ich liebe das Pixel, trotz des enormen Kostenfaktors.

 

Fragen werde ich gerne beantworten, dass Gerät habe ich allerdings nicht mehr lange zur Verfügung.

 

Edit: Jetzt gibt es auch den Daydream View Test

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